Bauhaus-Universität Weimar

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Kap. XII. Die Contrastverhältnisse. 
mittelgross erklären. Analoges nun geschieht, wenn wir zwei 
Farben, sagen wir Blaa and Graa, nebeneinander sehen. Der 
schwankende Begriff ist hier der des Grau. Indem er sich dem 
Blau accomodirt, also Blau als Blaugraa oder Grau erscheint, muss 
das wirkliche Grau für gelblich gehalten werden. 
Dieser Anschauung tritt, wenigstens ftlr gewisse Fälle, ein 
anderer Gedanke ergänzend zur Seite. Halten wir uns wiederum 
gleich an einen speziellen Fall. Unser gewöhnliches Lampenlicht 
ist rotgelb. Es gibt also weissen Gegenständen, die es beleuchtet, 
eine rotgelbe Färbung. Nichtsdestoweniger erkennen wir ein 
weisses Papier auch in Lampenbeleuchtung als weiss. Wir ziehen 
von der tatsächlich wahrgenommenen Farbe das, was der Beleuch¬ 
tung angehört, ab, übersehen dies, und glauben so den Gegenstand 
trotz der farbigen Beleuchtung in seiner objektiven Farbe zu er¬ 
blicken. Es ist aber, wenn wir einmal so zu verfahren gewohnt 
sind, gar nicht einmal erforderlich, dass die Beleuchtung eine wirk¬ 
liche sei. Es genügt, dass es uns so vorkommt, als sei über ein 
Objekt eine gewisse Beleuchtung verbreitet. Wir ziehen dann die 
vermeintliche Beleuchtung ab, und glauben entsprechend das Ob¬ 
jekt in einer vermeintlich objektiven Farbe zu sehen. 
Nun lasse man das weisse Blatt Papier teilweise von Lampen¬ 
licht und Tageslicht, teilweise von reinem Tageslicht beleuchtet 
werden. Dann scheint uns, nach Helmholtz, tatsächlich die 
Mischung von Lampenlicht und Tageslicht nicht nur über den 
Teil, der wirklich beidem ausgesetzt ist, sondern auch Uber den 
nur vom Tageslicht getroffenen verbreitet. Wir meinen, die ganze 
weisse Fläche stehe in gleichmässig schwach rotgelbem Lichte. 
Demgemäss bestimmt sich dann auch unser Urteil über die wahre 
Farbe der beiden Teile der Fläche. Zunächst ziehen wir wieder¬ 
um, wie oben, von der wirklich schwach rotgelben Fläche das 
Rotgelb ab, halten also die Fläche für objektiv weiss. Wir ziehen 
aber dann ebenso von der nur von reinem Tageslicht beleuchteten, 
also weissen (oder genauer grauen) Fläche das vermeintlich darin 
enthaltene Rotgelb ab. Nun wissen wir, dass die Farbe von 
Gegenständen, die in rotgelber Beleuchtung weiss oder grau aus- 
sehen, bläulich sein muss. Wir halten also die weisse Fläche 
nach Abzug der Beleuchtung für bläulich. 
Was nun die Gründe meines Gegensatzes gegen diese Er¬ 
klärungsweise angeht, so muss ich mich hier wieder auf die Ver-
        

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