Bauhaus-Universität Weimar

Physiologischer Farbencontrast. Gleichfarbige Induction. 281 
plementären Nachbilder einerseits and die Tatsache, dass länger 
fixirte gefärbte Flächen allmählig mit einem grauen oder weisslichen 
Schimmer sich tiberziehen, andrerseits. Ich gehe aber auf alles 
dies hier nicht ein. 
Mit den complementären Nachbildern stehen zunächst gewisse 
Erscheinungen, die dann wiederum mit den Erscheinungen des 
simultanen Contrastes Zusammenhängen, in Abbängigkeitsverhält- 
nis8, ich meine die Erscheinungen der gleichfarbigen Induction. 
Das Abhängigkeitsyerhältniss wird deutlich, wenn ich das blaue 
Objekt, mit dem ich vorhin zu tun hatte, nehmen wir an, es sei 
ein kleines Stückchen blaues Papier, nacheinander von schwarzer, 
weisser, gelber etc. Umgebung sich abheben lasse und es nicht zu 
kurze Zeit fixire. Es ergibt sich dann, dass das gelbe Nachbild 
von Blau auf Weiss heller und weisslicher, das von Blau auf Gelb 
intensiver gelb ist, als das von Blau auf Schwarz. 
Aber nicht nur das Nachbild des Blau erscheint durch die 
Farbe der Umgebung des Blau in gleichem Sinne beeinflusst, son¬ 
dern dasselbe begegnet auch schon dem Blau selbst während der 
Fixation. Es kann durch eine gelbe Umgebung geradezu dazu 
gebracht werden, in Gelb genauer Gelbgrau umzuschlagen. Deut¬ 
licher noch freilich zeigt sich diese Fähigkeit beliebiger Farben 
einer Nachbarfarbe ihren Farbencharakter aufzudrängen, wenn ich 
statt des Blau eine kleine schwarze Fläche in hellfarbiger, etwa 
gelber Umgebung lange fixire. Das Schwarz nähert sich dann 
allmählig der hellen Farbe, kann sogar gelegentlich heller er¬ 
scheinen, als die durch Ermüdung in ihrer Helligkeit verminderte 
Umgebung. Das an Stelle des objektiven Schwarz getretene (oder 
scheinbar darüber gelagerte) Gelb bleibt dann auch und wandert mit, 
wenn ich mein Auge von dem Schwarz weg auf andere Gegen¬ 
stände wende, so dass nun diese, soweit die Ausdehnung des sub¬ 
jektiven Farbenbildes reicht, in ihrer Farbe entsprechend ver¬ 
ändert erscheinen, es bleibt ebenso und tritt sogar besonders schön 
zu Tage, wenn ich mein Auge schliesse. 
Diese Erscheinung erklärt Helmholtz aus einer Täuschung 
unseres Urteils. Das Schwarz, so erfahren wir, bleibt schwarz, 
nicht nur objektiv, sondern auch in unserer Empfindung. Ihm 
nähert sich das Gelb in Folge der Ermüdung. Indem wir aber 
die Veränderung des Gelb übersehen, setzen wir die Annäherung
        

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