Bauhaus-Universität Weimar

Ergebnies dor kritischen Erörterungen. 261 
hergenommen, geben aber darum doch sicher zu keinem Missver¬ 
ständnis Anlass. Wir habeu ja auch schon gesagt, was wir dar¬ 
unter verstehen. Auch das Missverständnis haben wir schon 
abgewehrt, als nehme unserer Auffassung zufolge die Seele die 
Schwingungsverhältnisse selbst wahr und empfinde Freude oder 
Missbehagen, jenachdem sie an ihnen grössere Einfachheit oder 
grössere Complicirtheit bemerke. Nicht die Betrachtung der 
Schwingungsverhältnisse, nicht einmal die Betrachtung der 
Verhältnisse der Tonempfindungen, die jenen entsprechen, liegt 
der Freude oder dem Missbehagen zu Grunde. Die Verhältnisse der 
Tooempfindungen, mit denen wir es zu tun haben, sind gar nicht 
betrachtbar, entziehen sich überhaupt an sich jeder unmittelbaren 
Erkenntniss. Sie geben direkt nur durch das, was sie wirken, von 
ihrem Vorhandensein Kunde. Ihre Wirkung ist aber eine doppelte. Ein¬ 
mal die aufs (objektive)Vorstellungslebeu: Tonvorstellungen drängen 
auf einander hin oder weisen von einander hinweg. Dann die 
aufs Gefühlsleben: eben dies Aufeinanderhindrängen und Vonein- 
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anderwegweisen refiectirt sich in Gefühlen der Lust und Unlust. 
Von jener ersteren Wirkung, d. h. also von den verschiede¬ 
nen auf den verschiedenen Verhältnissen beruhenden Verhaltungs¬ 
weisen der Tonvorstellungen zu einander sind wir im Anfang 
dieses Kapitels ausgegangen. Wir hätten gleich dort betonen 
können, dass diese Verhaltungsweisen zunächst zwischen einfachen 
Tönen bestehen müssen, wenn sie bei zusammengesetzten Klängen 
sollen stattfinden können. Drängt ein Klang ki auf einen andern 
k2, der irgendwelche Teiltöne Si, s8 mit ihm gemein hat, so kann 
man zunächst sagen, die st, s2 des einen drängen auf die gleichen 
81, 82 des andern. Dies Drängen wäre nichts anderes, als was wir 
ehemals als Streben jeder Vorstellung sich selbst fortzusetzen be- 
zeichneten. Aber damit ist das Drängen des ki auf das ganze 
k2 und die Lust, die aus der.Befriedigung dieses Dranges sich 
ergibt, nicht erklärt. Das Drängen des Si und des s2 des einen 
nach dem st und s* des andern Klanges wäre ja befriedigt, wenn 
auch nur dies Si und s* allein sich darböte. Dass das Hinzu* 
kommen der übrigen Teiltöne des k8 eine höhere Befriedigung er¬ 
gibt, macht die Annahme nötig, dass auch hier etwas zu be¬ 
friedigen war, dass mit andern Worten die Si und s2 von ks 
auch ihrerseits wiederum auf diese übrigen Teiltöne hindrängten. 
Taten sie dies aber, dann musste ebenso auch schon das Si und 8*
        

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