Bauhaus-Universität Weimar

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Kap. XL Die Tonverhältnisse. 
zwar nicht zugleich Teiltöne des Klarinettenklangs sind, aber 
doch hinsichtlich ihres psychologischen Verhaltens als solche 
gelten können. Sie verschmelzen mit ihm, als ob sie ihm ob¬ 
jektiv zugehörten. Also findet auch hier der Zusammenschluss der 
beiden Klänge zu einem Ganzen statt. Aber warum findet nicht 
ganz dasselbe statt, wenn der Klarinettenklang 150 Grundton¬ 
schwingungen hat? Und angenommen es findet statt, warum ergibt 
sich daraus keine Harmonie? 
Tatsächlich können einfache Töne, die nicht in einfachen 
Schwingungsverhältnissen stehen, verschmelzen. Wir sahen schon, 
dass in dem einen Trompetenklange der Art einfache Töne ent¬ 
halten sind. Da sie der Harmonie entgegenwirken, so kann nicht 
die Verschmelzung irgendwelcher Töne Harmonie erzeugen. 
Freilich Wundt führt die disharmonische Wirkung der hohen 
Obertöne der Trompete mit Helmholtz auf Schwebungen zurück. 
Kr übersieht aber, dass er damit seinen^ eigenen Standpunkt leug¬ 
net. „Je höhere Obertöne einen Klang begleiten, um so geringer 
werden die 'relativen* Unterschiede ihrer Schwingungszahlen. Bei 
Klängen, welche hohe und starke Obertöne enthalten, werden daher 
ähnliche Erscheinungen, wie beim Zusammenklingen nahe bei ein¬ 
ander liegender Grundtöne beobachtet; es entstehen scharfe Disso¬ 
nanzen der Obertöne“ etc. Nicht die relativen, sondern die ab¬ 
soluten Unterschiede der Schwingungszahlen sind es aber, die 
auch nach Wundt die Schwebungen und damit die Dissonanzen 
bedingen. 
Offenbar kann es sich im Gegensatz zu der Wundt’schen 
Erklärung des Harmoniegefühls aus der direkten Klangverwandt¬ 
schaft mit der Entstehung jenes Gefühles nur folgendermaassen 
verhalten. Zunächst ist Verschmelzung von Teiltönen von einem 
Gefühl der Harmonie begleitet lediglich dann, wenn die Teiltöne 
in einfachen Schwingungsverhältnissen stehen. Dass unter dieser 
Voraussetzung das Harmoniegefühl wirklich nicht fehlt, beweisen 
alle Klänge, bei denen nur die (womöglich sämmtlichen) tieferen 
Obertöne stark ausgebildet sind. Sie erwecken ein Gefühl der 
Befriedigung, das einfache Töne für sich nicht in gleicher Weise 
erzeugen und das der Befriedigung beim harmonischen Zusammen¬ 
klang analog ist. Wundt lässt das Gefühl der Befriedigung, das 
einzelne Klänge erregen, ebenso unerklärt, wie das Gefühl der 
relativen Unbefriedigung, von dem wir eben sprachen. — Zweitens,
        

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