Bauhaus-Universität Weimar

Wundt’s Theorie der Klftngverwandtschaft. 
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bald nach der einen, bald nach der andern Seite bin abwichen. 
Selbst Schwebungen Hessen sich dabei unschwer vermeiden. 
Es ist klar, wozu das Experiment in Wirklichkeit führen 
müsste, zu den schlimmsten Disharmonien nämlich. Will man eine 
Probe davon haben und keine Stimmgabeltöne verwenden, so 
mache man den Versuch und lasse einen Klarinettenklang, dessen 
Grundton 150 Schwingungen macht, mit einem Hornklang von 
320 Grundtonschwingungen zusammenklingen, gehe aber dem letz* 
teren die Stärke, die ihm zukäme, wenn die Klarinette seine 
sämmtlichen Teiltöne in gewisser Stärke miterzeugte. Jedermann 
weiss, dass daraus keine Harmonie sich ergeben könnte. 
Oder hat die objektive Zusammengehörigkeit der Teiltöne, 
ich meine ihr Erzeugtwerden durch ein Instrument, doch etwas zu 
bedeuten? Dann ändere man im eben angeführten Beispiel den 
Klarinettenklang so, dass sein Grundton 160 Schwingungen macht, 
und unterlasse zugleich die Verstärkung des Hornklangs, obgleich 
die natürlich in Wirklichkeit hier sowenig zur Sache tut, wie oben. 
Es ergibt sich daraus eine völlige Harmonie. Und doch fallen 
keine zwei Obertöne der Klänge zusammen. 
Doch es ist Zeit zu dem Zugeständniss, dass ich im Bis¬ 
herigen, teilweise wenigstens, eine Meinung bekämpft habe, die 
niemand hegt, sicher nicht Wundt. Die zusammenfallenden Teil¬ 
töne müssen Teiltöne sein, nicht objektiver*, sondern subjektiver¬ 
weise, wenn das Harmoniegefühl entstehen soll. Die Teiltöne III 
und VI, 2 und 4 etc. der Klänge K und Ki sind mit ihren Grund¬ 
tönen zu einheitlichen Klangempfindungën verschmolzen. Indem 
auch III mit 2, VI mit 4 etc. verschmilzt, werden die ganzen 
Klänge psychologisch aneinander gebunden und zu einem Ganzen 
zusammengefasst. Daher das Harmoniegefühl. 
Aber auch damit ist die Schwierigkeit nicht gehoben. Dass 
es psychologisch, also auch für’s Harmoniegefühl völlig gleicbgiltig 
ist, ob zwei gleiche, aber aus verschiedenen Quellen stammende 
Teiltöne sich zu einem stärkeren vereinigen, oder ob von vorn¬ 
herein nur dieser eine stärkere Teilton vorhanden war, dabei 
muss es ja bleiben. Zunächst freilich könnte dieser Umstand der 
Erklärung der Harmonie aus der Klangverwandtschaft zu statten 
kommen. Der Klarinettenklang von 160 Schwingungen, so kann 
man sagen, ergibt mit dem Hornklang von 320 darum eine gute 
Harmonie, weil die sämmtlichen Teiltöne des letzteren objektiv
        

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