Bauhaus-Universität Weimar

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Kap. XI. Die Tonverhältnisse. 
Wege zur Seele verloren geht. III gelangt zur Seele auf seinem 
eigenen Wege, getrennt von I und II etc., vielmehr, III trifft schon 
auf seinem Wege mit 2 zusammen, der ihm entsprechende Reiz 
dient nur dazu, den Reiz, den der Ton 2 auslöst, zu verstärken. 
Jedenfalls besteht die ganze Leistung des III in der Seele darin? 
dass es den Ton 2 in einen Ton von grösserer Stärke verwan¬ 
delt. Der Gesammteffekt, den die Töne I, II, III und 1, 2 in der 
Seele zu Wege bringen, ist demnach völlig identisch mit demjeni¬ 
gen, den die Töne I, II mit 1 und einem stärkeren 2 erzielt haben 
würden. Mit andern Worten, es verhielte sich in der Seele alles 
genau ebenso, wenn in K der dritte Teilton gefehlt hätte und da¬ 
für der zweite Teilton von Ki entsprechend stärker gewesen wäre. 
Wäre dies aber der Fall gewesen, so hätte das auf der Identität 
der beiden Teiltöne beruhende Stück der Klangverwandtschaft 
zwischen K und Ki gefehlt. Es kann also dies Stück der Klang¬ 
verwandtschaft zwischen K und Ki sicher nicht für die Erzeugung 
des Harmoniegefühls verantwortlich gemacht werden. Was aber von 
diesem Stück gilt, gilt auch von allen übrigen. Angenommen, 
alle geradzahligen Teiltöne des Ki wären um ein Bestimmtes stär¬ 
ker, als sie sind, und in K fehlten alle die Teiltöne, die mit jenen 
identisch sind, dann bestände zwischen K nnd K1 gar keine Klang¬ 
verwandtschaft mehr und das Gefühl der Harmonie müsste den¬ 
noch, weil psychologisch überhaupt nichts geändert wäre, das¬ 
selbe sein. 
Wir können aber noch weiter gehen. Wenn zwischen ein¬ 
fachen Tönen keine besonderen Verhältnisse bestehen, wenigstens 
keine solchen, die zum Gefühl der Harmonie etwas beitragen, 
wenn also auch von solchen Verhältnissen zwischen Teiltönen 
eines und desselben oder verschiedener Klänge keine Rede ist, 
warum sollten wir nicht, nachdem die 2, 4, 6 etc. ihre Verstärkung 
erfahren hätten, und die damit identischen III, VI, IX weggefallen 
wären, die übrigen Teiltöne des K, die I, II, IV, V etc. durch be¬ 
liebige andere ersetzen können, ohne damit das Harmoniegeftthl 
zu verändern. An sich ist ja ein einfacher Ton so gut, wie der 
andere. Auch stünde der Ausführung des Experimentes durchaus 
nichts im Wege. Nicht nur jene Verstärkung Hesse sich leicht 
erzielen, sondern man könnte auch ohne viel Mühe neben dem 
veränderten Kt Stimmgabeltöne erklingen lassen, die von den I, 
II, IV, V etc. um ein beliebiges kleineres oder grösseres Intervall
        

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