Bauhaus-Universität Weimar

Empfindungsintensität und psychologische Zeit. 
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er sich selbst gleich ist, auf Beibehaltung des Ruhezustandes. Er 
drängt nur darauf, insoweit er ein von dem Schalleindruck ver¬ 
schiedener ist. 
Nun ändert sich freilich das Verhältnis zwischen dem, was 
an dem Lichteindruck dem Schalleindruck gleicht, und dem, worin 
er ihm unähnlich ist, nicht, wenn der Lichteindruck allmählig dem 
Bewusstsein sich nähert. Vielmehr wird, indem dies geschieht, die 
Wirkungsfähigkeit beider „Bestandteile“, — man wird den Ausdruck 
nicht missverstehen—gleichmässig verstärkt. Aus der Annäherung 
an’s Bewusstsein allein erklärt sich also das Umschlagen der Ten¬ 
denz, die Bewegung zu erzeugen, in die entgegengesetzte, sie nie¬ 
derzuhalten oder ihr Einhalt zu gebieten, nicht. Wir müssen aber eben 
auch noch Folgendes bedenken. Bei den Registrirversuchen, von 
denen wir reden, erwartet die registrirende Person nur den 
Schall, sie ist vorzugsweise gespannt auf die Ausführung der 
Bewegung, während der Gedanke an Festhaltung des Ruhezu¬ 
standes in den Hintergrund tritt. Ehen damit hat die Auslösung 
der Bewegung von vornherein einen Vorzug. Die Spannung erhöht, 
woher auch der Anstoss zur Auslösung der Bewegung kommen 
mag, die Leichtigkeit, mit der dieselbe sich vollzieht, um ein be¬ 
stimmtes Quantum q. Nun verhalte sich die Fähigkeit oder Ten¬ 
denz des Lichteindruckes, die Bewegung auszulösen, zu seiner 
Fähigkeit oder Tendenz, ruhiges Abwarten zuwege zu bringen, 
wie m : n. Es ist dann natürlich m kleiner als n, d. h. jene Aus¬ 
lösungstendenz, die ja nur so weit reicht, als Lichteindruck und 
Schalleindruck sich gleichen, geringer als diese dem ganzen Licht¬ 
eindruck als solchem anhaftende entgegengesetzte Tendenz. Wir 
können uns aber, so lange der Eindruck noch wenig wirkungsfähig 
ist, den absoluten Unterschied' d der beiden Tendenzen so ge¬ 
ring denken, dass das hinzukommende q das Grössenverhältniss 
der diesen Tendenzen naturgemäss entsprechenden Wirkungen um¬ 
kehrt, und demnach eine Auslösungswirkung zuwege kommt, deren 
Energie über den Antrieb zur Beibehaltung des Ruhezustandes 
überwiegt, also positiv in Betracht kommt. Indem sich dann die 
beiden Tendenzen in gleichem Verhältniss verstärken, vermehrt 
sich auch die Grösse d; sie kann endlich so gross werden, dass 
ihr Einfluss die Wirkung des m nicht nur aufhebt, sondern be¬ 
trächtlich überwiegt. Dann ist die Wirkung des Lichteindrucks 
im Gegensatz zu vorher positiv auf Festhaltung des Ruhezustandes
        

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