Bauhaus-Universität Weimar

Psychologische Leistungen anbewusster Erregungen. 
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Wir haben auch schon versichert, dass am Ende nichts in der 
Welt uns begegnen könne, dem nicht solche den Eindruck mitbe¬ 
stimmende Nebenvorstellungen anhaften. Wir können aber leicht 
jenen speziellen Beispielen andere zur Seite setzen. Folgendes hat 
den Vorzug besonderer Einfachheit Einzelne Worte, abgesehen 
von ihrer (lexikalischen) Bedeutung, erscheinen uns platt, gemein, 
lieblich, erhaben. Dass nicht der Klang der Worte an dieser Ver¬ 
schiedenheit des Eindrucks Schuld sein kann, leuchtet sofort ein. 
Vergleichen wir im Einzelnen, so wird es sich oft genug zeigen, 
dass die platten und gemeinen sogar aus klangvolleren Vokalen und 
Consonanten bestehen und einen besseren Rythmus haben, als die 
lieblichen und erhabenen. Dagegen wirken mancherlei andere Um¬ 
stände bestimmend ein, der gleicbgiltige, bedeutungsvolle, wissen¬ 
schaftliche, poetische Zusammenhang, in dem wir sie zu hören ge¬ 
wohnt sind, die Gesellschaftsklasse, in der sie zumeist gebraucht 
werden, der Umkreis von Gegenständen, auf den sie sich zu be¬ 
ziehen pflegen oder an den sie mittelbar erinnern, und dergleichen. 
Diese Dinge bilden sozusagen die psychische Atmosphäre der 
Worte und kein öfter gehörtes Wort ist ganz ohne solche Atmos¬ 
phäre. Indem wir das Wort in bestimmten Zusammenhängen, aus 
dem Munde gewisser Menschen, bezogen auf so oder so beschaffene 
Gegenstände vernahmen, bildeten sich zwischen ihm und diesen 
Nebenvorstellungen die engen Beziehungen, die machen, dass wir 
das Wort nicht von Neuem hören können, ohne dass die Neben¬ 
vorstellungen mit lebendig werden und dem Worte einen eigen¬ 
tümlichen Lust- oder Unlustcharakter, wenn man will, eine be¬ 
stimmte (subjektive) Klangfarbe geben. Denn allerdings verhalten 
sich die als solche meist unbewusst bleibenden Nebenvorstellungen 
*zu dem Worte einigermassen analog, wie die, wenigstens nicht 
als selbständige Tonempfindungen znm Bewusstsein kom¬ 
menden, übrigens im Unterschied von jenen Nebenvorstellungen 
immer von aussen erzeugten Obertöne zu dem Grundton, dessen 
Klangfarbe sie bestimmen. Die Belebung der Nebenvorstellungen 
beginnt nun offenbar nioht erst, nachdem das Wort zum Bewusst¬ 
sein gekommen ist. Wenn dem so wäre, so müsste das Wort zu¬ 
nächst ohne seinen eigentümlichen Charakter, also gleichgiltig, wie 
ein neugelerntes, fremdsprachliches erscheinen und erst nachträg¬ 
lich uns anmuten oder abstossen. Da in der Tat Hören und An¬ 
gemutet- oder Abgestossenwerden bei geläufigen Worten eines ist,
        

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