Bauhaus-Universität Weimar

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Kap. VI. Von der Verknüpfung der Vorstellungen. 
eingeübt, wenn wir mit andern Worten za den Associationen in 
der einen Richtung die Associationen in der andern hinzugeftlgt haben. 
Was das Häufigkeitsverhältniss der simultanen and suecessiven 
Associationen angeht, so leuchtet ein, dass von jenen genau ge¬ 
nommen wenig die Rede sein wird, schon darum, weil die „Enge 
des Bewusstseins“ ihr Zustandekommen immer in gewissem Grade er¬ 
schweren muss. Dies hat insofern psychologisch weniger zu bedeuten, 
als die Reproduction, teils wegen eben dieser Enge des Bewusstseins, teils 
weil der Akt der Reproduction selbst Zeit erfordert, doch nur selten 
eine absolut gleichzeitige sein würde. Das Wesentliche der simul¬ 
tanen Association, die Fähigkeit verschiedener Vorstellungen sich 
wechselseitig zu reproduciren, kann überdies jederzeit auch durch 
die successive Knüpfung der Association von a nach b und von 
b nach a erreicht werden. 
Auch der Association auf Grund der Aehnlichkeit müssen 
wir noch insonderheit unsere Aufmerksamkeit zu wenden. Wir 
wissen bei keiner der Associationen, wie sie aussehen würde, wenn 
uns das Wesen der Seele, so wie es an sich ist, einschliesslich der 
manchfachen Beziehungen einen Augenblick klar vor Augen läge, 
wir wissen ebensowenig, wie die Seele es anfängt, um die in den 
Associationen enthaltenen Reproductionsmöglichkeiten zu verwirk¬ 
lichen. Nur formuliren und bildlich anschaulich machen können 
wir dergleichen. Dazu haben wir nun, was die Association der 
Aehnlichkeit angeht, bereits im vorigen Kapitel den Grund gelegt. 
Man erinnert sich der ineinanderübergreifenden Dispositionen und 
Vermögen. Dieöe Vorstellungsweise gewinnt hier neue Bedeutung. 
Eine Vorstellung oder Empfindung kommt zu Stande, indem das 
entsprechende Vermögen oder die entsprechende Disposition a zur 
Tätigkeit erregt wird. Nun falle mit a eine Disposition b teil¬ 
weise zusammen. Notwendig scheint diese dann an der Erregung 
irgendwie teilnehmen zu müssen. Es kommt nur darauf an, dies 
„irgendwie“ näher zu bestimmen. Zunächst nun ist es unmöglich, 
dass etwa ein Stück oder Teil der Disposition, nämlich der 
mit a zusammenfallende, für sich und neben a in Aktivität ver- 
setzt werde. Von solchen selbständigen Teilen, das sahen wir 
schon, kann keine Rede sein. Die Disposition b ist ein Ganzes 
wie a, das räumliche Nebeneinander und damit die Teilbarkeit 
nur Bild. Dagegen wäre es möglich, dass die Erregung die auf 
b sich erstreckt, sofern dies mit a zusammenfällt, von selbst über
        

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