Bauhaus-Universität Weimar

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C. Stumpf, 
solchen Tabellen ebenso wie ans denen der graphischen Methodik zunächst 
noch nicht erkennen. Erst die Interferenzanalyse (siehe unten) gibt 
darüber Aufklärung. 
Sehr brauchbar erweist sich das ßesonanzverfahren auch für die 
Untersuchung der individuellen Stimmfärbungen und der Registerunter¬ 
schiede. So gab ein A auf f1 mit Bruststimme bei einem Heldentenor 
die ersten acht Teiltöne mit den relativen Stärken: 10, 20, 6, 10, 4, 6, 
10, 2; dagegen im Falsett nur die ersten sechs mit den Stärken: 10, 12, 
6, 3, V,. 
An zweiter Stelle wählte ich zur Analyse die Ausschließung von Teil¬ 
tönen durch Interferenz (If.). Hierbei wurde das von Grützner ein¬ 
geführte Verfahren benutzt. An der Schalleitung von der Tonquelle bis 
zum Ohre befinden sich seitliche Röhren mit Stempeln, die so eingestellt 
werden können, daß die Länge des Ansatzrohres eine Viertelwellenlänge 
des auszuschließenden Tones beträgt. Es standen 9 Systeme mit ins¬ 
gesamt 71 Seitenröhren zur Verfügung, die jeden Ton von Cis (70 Schw.) 
ab auszuschließen gestatteten. Hierbei waren allerdings zahlreiche 
Fehlerquellen zu berücksichtigen, besonders der Mitausschluß der un¬ 
geraden Multipla. Auch zeigte sich, daß bei Tönen über f2 (700) die 
Röhrenweite Einfluß hatte auf die zur Auslöschung erforderliche Ein¬ 
stellung, und zwar in einem viel größeren Maße und in umgekehrter 
Richtung, als er nach den Kundtschen Regeln auftreten muß, also 
offenbar auf einem anderen Grunde beruhend. Um z. B. o4 auszulöschen, 
muß bei einer Röhrenweite von 1 cm auf die Stempellänge 3,9 statt 
4,1cm, um c7 auszulöschen, auf 0,3 statt 0,5 cm eingestellt werden, im 
letzteren Falle also auf eine Viertelwellenlänge, welche rechnungsmäßig 
dem a7 entspräche 7). 
Der Mitauslöschung der ungeraden Multipla wurde dadurch Rech¬ 
nung getragen, daß der Klang systematisch von oben her abgebaut, dann 
wieder durch Einschiebung der Röhren aufgebaut wurde. So erhielt ich 
0 In der gemeinschaftlich mit v. Allesch veröffentlichten Abhandlung 
„Über den Einfluß der Eöhrenweite usf.“ in Passow-Schaefers „Beiträgen“, 
Bd. 17 (1921), sind die Beobachtungen beschrieben, und ist eine Tabelle der 
korrigierten Einstellungen gegeben. 
Der Grund der Abweichung dürfte nach F. Stumpf darin liegen, daß die 
aus der Seitenröhre zurückkommende Schwingung zwar an dem Punkte, wo die 
Seitenröhre in die Hauptröhre mündet, die zu erwartende entgegengesetzte Phase 
besitzt, sich aber in den Querschnitt der Hauptröhre weiterverbreitet und hier¬ 
verschiedene Phasen annimmt.
        

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