Bauhaus-Universität Weimar

Sprachlaute und Instrumentalklänge. 
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im Sinne besonders entscheidender Zonen von Schwingungszahlen fest¬ 
stellen. Aber es sind hier nicht diskrete, scharf abgegrenzte Stellen des 
Tonreiches erregt wie bei Klängen mit Obertönen, sondern es ist eine 
größere Strecke (manchmal, wie beim Uhrticken, etwa eine Oktave, 
meistens aber mehrere Oktaven umfassend) stetig wie durch eine Art 
Tonstaub ausgefüllt. 
Die hier beschriebenen Methoden wurden auch auf Instrumental¬ 
klänge angewandt, deren Analyse seit Helmholtz im Vergleich mit der 
der Vokale arg vernachlässigt worden ist. Miller gibt eine Anzahl 
lehrreicher Analysen. Das Gebiet ist aber so weitläufig, daß auch der 
A'erfasser sich nur auf eine engere Auswahl beschränken mußte. Hier 
scheint nun der Sachverhalt komplizierter zu liegen, als Helmholtz 
annimmt, nach welchem bei Instrumenten nicht feste Formanten, sondern 
lediglich die Stärkeverhältnisse von Teiltönen bestimmter Ordnungs¬ 
zahl die Klangfarbe bedingen. Schon Meissner behauptete für 
Holzblasinstrumente feste Maxima, Herrmann-Goldap wollte solche 
auch bei anderen, mit allerdings wenig überzeugenden Methoden, gefunden 
haben. Nach meinen Versuchen scheinen in der Tat neben den beweg¬ 
lichen Formanten, die besonders durch den vierten bis sechsten Teilton 
gegeben sind, vielfach auch feste Maxima vorhanden zu sein, mag man 
sie nun Formanten nennen oder nicht. So bei den näselnden Instrumenten 
ausgeprägte Maxima in der unteren Hälfte der 4-gestrichenen Oktave 
(dieselben wie bei nasalierten Vokalen); so aber auch tiefere Maxima, die 
bestimmten Vokalformanten entsprechen. Man hat schon öfters gewisse 
Vokalähnlichkeiten bei Instrumenten bemerkt: die höheren Lagen der 
Oboe ähneln dem Ä bis E, die Trompete dem A bis A, das Horn und 
die tieferen Violasaiten dem 0 oder AO. Dies muß auf solchen, inner¬ 
halb bestimmter Grenzen des Grundtons festbleibenden Maximis beruhen, 
deren Ursprung im Bau des Instruments (Schallbecher usw.) noch auf¬ 
zuweisen bleibt. Im einzelnen ist es für Physiker vielleicht noch von 
besonderem Interesse, daß bei der Klarinette nur in der tiefsten Lage der 
zweite Teilton fehlt, sonst aber geradzahlige Teiltöne neben den ungerad¬ 
zahligen überall (mit wachsender Stärke bei höheren Grundtönen) vor¬ 
handen sind. Der Widerspruch mit der Theorie wird sich dadurch lösen, 
daß das Hohr eben nicht rein zylindrisch ist. 
Eine kleine Tabelle nach den Resonanz- und If.-Versuchen möge 
die eben berührten Verhältnisse veranschaulichen. Der „bewegliche 
Hauptformant“, d. h. der Frequenzbezirk, innerhalb dessen bei Aufbau¬ 
versuchen nach der If.-Methode der charakteristische Klang des betreffenden
        

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