Bauhaus-Universität Weimar

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Sprachlaute und Instrumentalklänge. 
Von C. Stumpf in Berlin. 
(Eingegangen am 21. Juli 1926.) 
Die Analyse gesungener Vokale durch mit- und nachschwingende Stimmgabeln 
lieferte Tabellen ihrer Teiltöne, deren relative Stärken geschätzt wurden. Durch 
Systeme von Interferenzröhren wurden sodann die Vokale ab- und aufgebaut. 
Dieses Verfahren lieh sich auch auf geflüsterte Vokale und auf Konsonanten an¬ 
wenden. Es lehrte Genaueres über die entscheidenden Frequenzzonen. Endlich 
wurden die stimmhaften Vokale durch Kombinationen völlig einfacher, ihrer Stärke 
nach regulierbarer Töne nachgebildet. Die gleichen Methoden wurden auch auf 
Instrumentalklänge angewandt. 
Einer Anregung aus physikalischen Kreisen folgend, versuche ich 
im nachstehenden, aus den Ergebnissen experimentell - phonetischer 
Studien, die mich viele Jahre beschäftigten1), das in physikalischer 
Hinsicht Wesentlichste herauszuheben. 
Bekanntlich kommen nach Helmholtz die Vokale dadurch zu¬ 
stande, daß aus dem durch die Stimmlippen erzeugten obertonreichen 
Klange einzelne harmonische Teiltöne durch die Resonanz des darauf 
eingestellten Mundraumes verstärkt werden. Diese „charakteristischen 
Töne“ besitzen für jeden Vokal eine feste, von der Höhe des Grund tones 
unabhängige Höhenlage. Im letzteren Punkte stimmte ihm Hermann 
zu, der für diese Töne den zweckmäßigen Ausdruck „Formanten“ und 
für ihre genaue Bestimmung mit großem Erfolge die phonophotographisehe 
Methode einführte. Aber er dachte sich durch den im Rhythmus des 
Grundtones intermittierenden Luftstrom den Mundraum nach Art einer 
Pfeife angeblasen und die Formanten der Regel nach unharmonisch zum 
Grundton. In der Zeit, als meine Untersuchungen begannen (1913), er¬ 
schien den meisten diese Prinzipienfrage noch unentschieden ; aber auch 
in bezug auf die Bestimmung der Formanten gingen die zahlreichen, 
namentlich nach graphischen Methoden angestellten Untersuchungen in 
einer so entmutigenden Weise (bis zu drei Oktaven) auseinander, daß 
Sprachforscher vielfach die akustisch gerichtete Phonetik für hoffnungslos 
ansahen und die Definition der Sprachlaute lediglich auf die Beschreibung 
!) Nach vorläufigen Mitteilungen in den Sitzungsberichten der Preußischen 
Akademie seit 1915 sowie in den „Beitr. z. Anatomie . . . des Ohres .. von 
Passow und Schaefer seit 1919 ist ein zusammenfassendes Werk: „Die Sprach¬ 
laute. Exp.-phon. Unters. Mit Anhang über Instrumentalklänge“, soeben im Ver¬ 
lage Julius Springer, Berlin, erschienen. 
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