Bauhaus-Universität Weimar

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Stumpf, Zur Analyse der Konsonanten 
dur dem Vokallaut in Hinsicht seines Ab- und Anschwellens auf¬ 
erlegt wird, dürfte auf Schwierigkeiten stoßen. 
Beim Singen mit Brummstimmenbegleitung, wie es in den 
Männerchören der „Liedertafeln" zuweilen ausgeübt wird, haben 
wir allerdings auch ein selbständiges Auftreten des gesungenen M, 
d. h. eines in dieser Weise schwach nasalierten U. Auch der grego¬ 
rianische Choral kannte eine eigentümliche Verzierungsformel unter 
dem Namen der „Liqueszenz“, bei welcher Liquida und Nasal- 
konsonanten als selbständige Träger von Tönen gebraucht wurden. 
Ähnliches findet sich in exotischen Gesängen und Sprachen.1) 
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L 
L wird jetzt zumeist als „Halbvokal“ bezeichnet. Gutz- 
mann geht noch weiter: „Unser deutsches L gehört überhaupt 
nicht zu den Konsonanten seinem Klange nach . . . Wir.hören bei 
dem L in der Tat keine Spur von irgendwelchem Reibegeräusch 
und keine Spur von irgendwelchem Geräusch überhaupt.“2) Immer¬ 
hin — es gibt doch auch ein geflüstertes L, und dieses ist 
unleugbar ein Geräusch. Aber es ist ein stark tonales, tonhaltiges 
Geräusch, und zwar von analogem Klangcharakter wie das gesun¬ 
gene und gesprochene L, deren Vokalnatur ich nicht bezweifle. 
Subsumiert man daher stimmlose Sprachlaute (Sprachgeräusche) 
mit stark ausgeprägtem Klangcharakter unter die Vokale, so ist in 
der Tat auch das stimmlose L als Vokal zu bezeichnen. Wir 
wollen indessen auch hier die Benennungsfrage vorerst bei Seite 
lassen. 
Da das stimmlose L nur schwach und nicht ganz ungeändert 
durch die Röhrenleitung kommt, habe ich nach einigen Vorver¬ 
suchen hier sogleich das stimmhafte L herangezogen, um erst 
von da aus auf das stimmbare zurückzukommen. Hierbei stellte 
sich bald heraus, daß wir in diesem interessanten Laut einen 
1 e i c h t näselnden Vokal, und zwar wesentlich wieder ein 
näselndes U vor uns haben. Man kann ihn auch stärker näseln 
machen, indem man ihn etwas schnarrend spricht oder singt, auch 
wohl die Nase ganz oder teilweise verschließt. Sahon bei dem 
gewöhnlichen L nähert sich ja die Erzeugungsweise der desW. Durch 
die Anlegung der Zunge an die Zähne wird ein Teil der Leitung in 
*) Vgl. R Lach , „Über die Gesänge russischer Kriegsgefangener/4. 
Sitzungsberichte der Wiener Akademie 1917, Philosophisch-historische 
Klasse, 183. Bd., 4. Abhandlg., S. 42. V 
H) Physiologie der Stimme und Sprache, 1909, S. 175.
        

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