Bauhaus-Universität Weimar

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tenden Spannungsempfindungen auf der einen Seite, gewisse Ver¬ 
änderungen, Ergänzungen, Hemmungen, Verstärkungen der ge¬ 
gebenen Empfindungscomplexe auf der anderen Seite Zusammen¬ 
wirken, um den Schein der psychischen Thätigkeit hervorzurufen. 
Die Spannungsempfindungen haben ihre periphere Ursache zunächst 
in den Muskeln der hetheiligten Sinnesorgane, dann in benach¬ 
barten Muskelgruppen, vornehmlich in denjenigen Muskelgebieten, 
welche den Kopf fixiren und die Athmung reguliren. Die Ver¬ 
änderungen in den Empfindungscomplexen, welche der aufmerksam 
erfasste Gegenstand erweckt, bestehen in einer zunehmenden Klar¬ 
heit und Schärfe der einzelnen Empfindungen, nur secundär 
zuweilen in einer Verstärkung derselben. Bedingt sind diese Er¬ 
scheinungen bei sinnlichen Objekten durch die genauere periphere 
Adaptation der Muskeln, vor allem aber durch das Verschwinden 
oder Schwächerwerden aller hemmenden Vorstellungen, sowie das 
Auftreten oder Stärkerwerden vieler fördernder Empfindungen, 
unter denen die Bewegungsempfindungen obenan stehen. Die Auf¬ 
merksamkeit ist einem Gegenstände zugewandt, besagt also, dass 
die Vorstellung von dem Gegenstand in ihren Elementen klarer 
und deutlicher geworden ist, die hemmenden Vorstellungen weg¬ 
gefallen, fördernde Empfindungen, wie etwa die Empfindung der 
Bewegung zu dem Gegenstände, hinzugetreten sind, und überdies 
Spannungsempfindungen aus bestimmten Körpergebieten den Vor¬ 
stellungshintergrund bilden. Dass alles dieses im Bewusstseins¬ 
inhalt vor sich geht, ist evident. 
Nun sollte die Beobachtung aber mehr sein als blosse Auf¬ 
merksamkeit, es sollte eine unterscheidende und festhaltende Auf¬ 
merksamkeit darunter verstanden werden. Was muss psychologisch 
also noch hinzutreten? Zunächst können wir da constatiren, dass 
zwischen dem Unterscheiden und dem Festhalten keine scharfe 
Grenze liegt; was ich festhalten soll, ist eben der erkannte Unter¬ 
schied der wahrgenommenen Merkmale von anderen ähnlichen. 
Jenes schärfere, klarere Hervortreten der Merkmale, welches die 
Aufmerksamkeit charakterisirt, ist von einem genaueren Unter¬ 
scheiden der Merkmale natürlich nicht zu trennen; neu hinzutritt 
bei der Beobachtung also nur das Fixiren der durch die aufmerk¬ 
same Beachtung sich ergebenden Unterscheidungen. Dieses Fixiren
        

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