Bauhaus-Universität Weimar

I. 
Die engere Aufgabe der Psychologie. 
1. Es hat keinen Sinn, über den Weg zu streiten, so lange 
man über das Ziel nicht einig ist; auch die Methoden der Wissen¬ 
schaften lassen sich erst dann beurtheilen, wenn über die Aufgaben 
und Endpunkte derselben Klarheit herrscht. Freilich nur wenige 
Wissenschaften sind in der glücklichen Lage, wenn sie das Ziel 
sehen, auch des Weges gewiss zu sein; die scheinbar gangbarsten 
Pfade führen oft in die Irre und selten ist der gerade Weg der 
kürzeste. Mehr als irgend eine andre Disciplin hat das die Psycho¬ 
logie erfahren müssen; mit Zeitopfern und Kraftvergeudung hat 
sie diese Erfahrungen bezahlt und so hat sie mehr als andere 
Wissenschaften Interesse daran, beim Vorwärtsdringen genau auf 
den Weg zu achten und immer wieder zu prüfen, ob ihre Methoden 
auch wirklich zweckmässig, ausreichend und einwandsfrei seien. 
Und dazu kommt ein anderes. Keine zweite Wissenschaft 
verwerthet gegenwärtig so mannigfaltige und vor Allem so ver¬ 
schiedenartige Methoden wie die Psychologie. Nur weitgehende 
Arbeitstheilung ermöglicht es, jede dieser Methoden fruchtbar aus¬ 
zunutzen, denn alle psychologischen Hilfsmittel gleichzeitig zu be¬ 
herrschen, überragt bei weitem die Arbeitskraft eines einzelnen. 
Wer in dem Grenzgebiet zwischen Psychologie und Philosophie 
heimisch ist, wird den psychophysiologischen Fragen vielleicht 
ferner stehen; wer in der psychologischen Beobachtung verstüm¬ 
melter Thiere oder Geisteskranker oder Hypnotisirter geübt ist, 
wird mit den Diensten, welche Statistik und Sociologie bieten, 
vielleicht nichts anzufangen wissen; wer an psychologischen oder 
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