Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/85/
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kannten häufigen Fälle, wo ohne Hautanästhesie der Muskelsinn 
verloren gegangen; der Kranke weiss im Dunkeln nicht, wie 
seme Beine liegen, und dennoch ist er noch im stände die 
psychische Innervation wahrzunehmen, wenn auch der Be¬ 
wegungseffekt durch die mangelnde Muskelsinnkontrolle unsicher 
wird; das, was er verloren, ist also lediglich die peripher aus¬ 
gelöste Empfindung der vollzogenen Kontraktion. Nun wird 
das Vorhandensein centripetaler Muskelnerven zwar von der 
Mehrheit heute anerkannt, aber nicht die gesamte Bewegungs¬ 
empfindung soll aus dieser Quelle stammen, sondern ein Be¬ 
wusstwerden der centrifugalen Beizung wenigstens mit dem der 
centripetalen verschmolzen sein; des näheren sollen die sensiblen 
Muskelnerven uns über den Umfang der Bewegung, der mo¬ 
torische Apparat aber uns über die aufgewandte Kraft unter¬ 
richten. Ich kann diese Auffassung nicht teilen, ich sehe 
keinen Grund, nicht sämtliche Bewegungsempfindungen als 
centripetale Einwirkungen aufzufassen. Der Ausgangspunkt 
jener Theorie, die Trennung zwischen unserer Empfindung des 
Bewegungsumfanges, also der Hubhöhe, und der Empfindung 
der Bewegungskraft, also der Hublast, ist zweifellos richtig; in 
der That war es früher mit Unrecht meist übersehen, dass wir 
sehr genau unterscheiden, ob wir die einfache Last eine fünf¬ 
fache Strecke oder die fünffache Last eine einfache Strecke 
heben, obgleich der mechanische Wert der Arbeitsleistung in 
beiden Fällen derselbe. Gerade die Thatsache dieser Unter¬ 
scheidung führt mich aber zu der Annahme, dass alle Be¬ 
wegungsempfindung peripheren Ursprungs. Ja, wenn diese 
Unterscheidung uns nicht möglich wäre, wenn wir wirklich bei 
gleicher Arbeit, bei gleichem Produkt aus Hubhöhe und Last 
immer die gleiche Empfindung hätten, so wären wir auf centralen 
Ursprung hingewiesen, denn zwei trotz ihres gleichen Effektes 
ganz verschiedene Bewegungskomplexe können unmöglich auf 
sensible Muskelnerven übereinstimmend wirken, während der 
aufgewandte Arbeitsimpuls sehr wohl in beiden Fällen die 
gleiche Stärke haben könnte. Da aber die zwei so verschiedenen
        

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