Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/46/
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Bild eingetretener Arbeitsteilung, bei der jedes einzelne Indi¬ 
viduum in einer Richtung mehr leistet, als es zu seiner Selbst¬ 
erhaltung nötig hat, dafür aber in anderen Beziehungen die¬ 
jenigen für seine Erhaltung nötigen Leistungen, die es selbst 
nicht ausführen kann, von den anderen erhält. Das nur ver¬ 
dauende Individuum muss allerdings mehr Nahrung verarbeiten 
als seinem Stoffwechsel nötig ist, aber dennoch ist diese Mehr¬ 
leistung das Zweckmässigste, was es für seine Selbsterhaltung 
leisten kann, denn nur dadurch ermöglicht es den anderen 
Individuen, ganz der Fortbewegung, dem Schutz, dem Nahrungs¬ 
fang zu leben, zu dem es selbst nicht die Fähigkeit besitzt. 
Die einzelnen Individuen leisten also nicht etwas, was nur der 
Gesamtheit als solcher zu gute kommt, sondern in erster Linie 
kommt ihre Leistung ihrer eigenen Selbsterhaltung zu gut, wenn 
auch auf indirektem Wege. — Mit Hilfe dieses Schemas ver¬ 
einfacht sich nun auch die Mannigfaltigkeit wechselseitiger An¬ 
passung unter denjenigen Geschöpfen, die nicht durch un¬ 
mittelbare Körperberührung, sondern durch Wirkung auf die 
Sinnesorgane untereinander in Beziehung stehen. Die wechsel¬ 
seitige Anpassung hat dann freilich nicht mehr den Spielraum, 
wie bei den zusammengewachsenen Geschöpfen ; bei frei leben¬ 
den Tieren kann nicht das eine sich von dem ernähren, was 
das andere isst, die gegenseitige Unterstützung bleibt vielmehr 
beschränkt auf die Leistungen eines einzigen Apparates, eben 
jenes sensorisch-motorischen Mechanismus, der auf äussere 
Beize zweckmässige Bewegungen auslöst. Angenommen nämlich, 
Geschöpf A ist im stände, ausser den für seine Erhaltung not¬ 
wendigen Erregungen auch noch solche zu erfahren, die für B 
nötig sind, und ist im stände, diese Erregungen dem B mitzu¬ 
teilen, so könnte B vielleicht die entsprechenden Bewegungen 
für sich selbst und zugleich für A mit ausführen. Der un¬ 
mittelbare Zweck der Kommunikation ist also die Mitteilung 
innerer Erregung ; soll sie durch Wirkung auf die Sinnesorgane, 
also mittelst eigener Bewegung erfolgen, so können zu solchen 
„Ausdrucksbewegungen“ jedenfalls nur diejenigen geeignet sein,
        

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