Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/27/
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diejenigen Bewegungen auslösen lässt, die den 
Verhältnissen der Aussenwelt zweckmässig ent¬ 
sprechen? Das ist die Schwierigkeit; sobald wir das Ent¬ 
stehen solchen Apparates begreifen, so ist die Möglichkeit einer 
mechanischen Erklärung der Willenshandlung bewiesen. — 
Gegen diese Auffassung, dass die Zweckmässigkeit der centralen 
Reflexe durch die Zweckmässigkeit des vorgebildeten Apparates 
bedingt sei, scheinen die Erfahrungen der Entwicklung zu 
sprechen. Freilich die bekannten Versuche von Soltmann, *) 
welcher behauptete, dass bei jungen Tieren keine Bewegungen 
durch Rindenreizung verursacht werden können, der Apparat 
mithin nicht fertig vorgebildet ist, sind in jeder Beziehung 
durch Paneth 2) widerlegt, abgesehen davon, dass selbst jene 
Versuche verschieden deutbar waren und überdiess auch eine 
extrauterine Körperentwicklung selbstverständlich ist. Wichtiger 
erscheint der Einwand, dass ja die Bewegungen des Kindes 
durchaus noch nicht so zweckmässig sind, wie sie bei Voraus¬ 
setzung solch vorgebildeten Apparates sein müssten. Aber 
wir dürfen nicht vergessen, dass andererseits die Bewegungen 
des Kindes auch durchaus nicht zweckwidrig sind, sondern 
unzweckmässig nur durch ihre Unvollkommenheit. Sie erinnern 
an die Bewegungen Ataktischer ; die feinere Ordnung und 
Abstufung der komplexen Bewegungen, die dem Ataktischen 
verloren gegangen, hat das Kind noch nicht erworben, aber 
bei beiden ist die Bewegungstendenz die richtige. Vor allem 
% 
aber ist der Reizkomplex, der auf den Neugeborenen einwirkt, 
ein zu kleiner, um schon die passenden Bewegungen auszulösen; 
der vorgehaltene Gegenstand hat als Lichtreiz für das Kind 
schon dieselbe Bedeutung wie für den Erwachsenen; um aber 
nach dem Gegenstand richtig zu greifen, dazu leitet den 
Erwachsenen eine Reihe anderer früherer Reize, die auf das 
Kind noch nie eingewirkt. Die Entwicklung des Menschen 
*) Soltmann: Archiv für Kinderheilkunde. Bd. IX. 
*) Paneth : Archiv für die gesamte Physiologie. Bd. 87. S. 202 ff.
        

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