Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/17/
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bleiben, dass die Theorie von der fortschreitenden Wissenschaft 
im einzelnen wird ausgebaut werden, dass sie selbst in Grund¬ 
fragen von wachsender Erkenntnis wird verändert werden 
müssen, ja vielleicht schliesslich von ganz neuer Wahrheit ver¬ 
drängt wird, aber für den jeweiligen Stand der Wissenschaft 
hat sie ihren absoluten Wert; die Theorie soll gar nicht die 
Wahrheit entdecken, sondern soll die erkannten Thatsachen in 
sich widerspruchslos kausal verknüpfen. Dass Theorien in 
diesem Sinne heute möglich sind — und dieser ganze Abschnitt 
versucht lediglich solche Theorie zu entwickeln — während sie 
noch vor wenigen Decennien einfach unmöglich waren, das 
dürfte auf einen Fortschritt der Wissenschaft weisen, dem 
gegenüber die Menge der unbeantworteten Einzelfragen nicht 
entmutigend wirken darf. 
Der Zusammenhang zwischen Muskel, Nerv und Gehirn, 
eine durchaus nicht so nahe liegende Erkenntnis, ist freilich 
schon lange bekannt, und der Materialismus, der das not¬ 
wendige Prinzip der Naturanschauung zum unberechtigten 
Prinzip der Weltanschauung erhob, hat allezeit auf diesen Zu¬ 
sammenhang seine einseitige Psychologie gestützt. Dennoch 
gehört erst unserer Zeit das Verständnis für den feineren 
Zusammenhang zwischen motorischem Nerv und Muskel einer¬ 
seits, Centralorgan andrerseits. Von einer Erledigung des 
Problems ist ja freilich auch heute noch keine Rede, und 
grade die Vorstellungen über motorische Nervenendigungen 
haben, beim Fortgang der Untersuchung, in ihrem Wert als 
Substrat anschaulicher Kontraktionstheorie manches eingebiisst. 
Hatte es doch eine Zeit lang den Anschein, als setze sich der 
Nerv in seiner letzten Verästelung unmittelbar in die kontraktile 
Substanz der einzelnen Muskelfaser fort, die offenbar anschau¬ 
lichste Vorstellung, ebenso wie in der vergleichenden Anatomie 
die Neuromuskeltheorie, welche Nerv und Muskel als Differen¬ 
zierung ursprünglich einheitlicher Zelle auffasst*), also als 
1) Kleinberg: Hydra. S. 10 ff. Gegenbaur: Grundriss d. vergl. 
Anat. 1878. S. 40 ff.
        

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