Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/138/
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BewegungsVorstellungen nicht, was ganz unerklärbar wäre, 
direkt die Bewegungen auslösen, denen sie ihr eigenes Dasein 
verdanken, sondern dieselben indirekt hervorrufen, indem sie 
solche Objektvorstellungen auslösen, welche die Bewegung als 
zweckmässige Reaktion erzeugen; wer aber das letztere an¬ 
nimmt, bedarf nicht erst den Umweg, um auf diese Weise 
wieder an die Ausgangsfrage zu kommen, wie jene Vorstellungen 
die zweckmässige Bewegung produzieren. 
Munk hat, wie gesagt, einen etwas anderen Weg ein¬ 
geschlagen, der freilich in den psychologischen Irrtümern Ähn¬ 
lichkeit mit dem ScHiFF’schen hat. Munk lässt ausser den 
Tast-, Druck- und Lagevorstellungen in den Centren für die 
einzelnen Glieder auch Innervationsgefühle entstehen, und die 
Reproduktion dieser wird zur Ursache der Bewegung. Wenn 
diese Innervationsgefühle nur Vorstellungen der ausgeführten 
Bewegung wären, so entsprächen sie den ScHiFF’schen Tast¬ 
vorstellungen; es wäre also nur mit einem anderen Ausdruck 
dieselbe Auffassung. Die Innervationsgefühle sollen hier aber 
etwas ganz anderes sein; sie sind die Wahrnehmungen der 
Bewegungsanregung bei der aktiven Bewegung der Körper¬ 
teile 1) ; die Organe, aus denen sie stammen, sind die unter¬ 
halb der Grosshirnrinde befindlichen Ganglien oder Centren, 
welche die Bewegungen auslösen. Munk selbst hat diese geist¬ 
reiche Theorie nur nebenbei erwähnt; er hat jene Annahme 
daher weder eingehend ausgeführt, noch wesentlich benützt für 
die Erklärung. Er lässt im allgemeinen die zweckmässige 
Bewegung direkt auf den Licht- oder Schallreiz folgen, ohne 
erst ein Innervationsgefühl zwischenzuschieben. Damit ist dann 
der schwierigste Punkt, die Willensfrage einfach umgangen und 
nicht im geringsten gelöst, wie es seine erwähnte theoretische 
Definition offenbar beansprucht. Um die Theorie näher kennen 
zu lernen, müssen wir uns daher an Meynert wenden, der 
sie zuerst aufgestellt und sie, erst in zerstreuten Arbeiten, 
dann zusammenhängend lichtvoll und geistreich dargestellt hat. 
*) Münk : Funktionen der Gtrosshirnrinde. S. 51.
        

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