Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/113/
Wahrnehmung brächte etwas ganz Neues, nach keiner Formel 
Berechenbares; der entsprechende, durch das psychische Ge¬ 
schehen bedingte materielle Prozess wäre somit auch unbe¬ 
rechenbar. Nun ist es aber Thatsache und Voraussetzung der 
Naturwissenschaft, dass die materiellen Prozesse solcher theo¬ 
retischen Voraussage zugänglich sind; sie müssen also ihre 
eigene Kausalität, unabhängig von der Seele, besitzen. — Der 
einzige Vorteil dieser Auffassung, der auch eigentlich immer 
die Veranlassung zu ihr gab, ist der, dass sich mühelos durch 
sie die zweckmässigen Körperbewegungen erklären lassen. In 
der That ist die psychische Zwecksetzung, das zweckbewusste 
Wollen uns fortwährend empirisch gegeben, und wenn das 
seelische die Bedingung für das materielle Geschehen wäre, 
so würde damit wirklich die zweckmässige Körperbewegung, 
die Aussenseite der Willenshandlung, ohne Schwierigkeit er¬ 
klärt. Abgesehen nun davon, dass, wie wir uns überzeugt, hei 
eingehender Analyse und Vergleichung des Erfahrungsmateriales 
eine ebenso geschlossene Erklärung der zweckmässigen Hand¬ 
lungen auch ohne psychisches Prinzip möglich ist, dürfen wir 
doch vor allem nicht vergessen, dass die gesamten, nie still 
stehenden vegetativen Funktionen des Körpers, ja sämtliche 
Lebensäusserungen der Pflanze genau so zweckmässig sind und 
doch eines bedingenden psychischen Geschehens entbehren. Ja, 
das Segment der zweckvollen Gestaltung in der Welt, das 
durch den empirisch gegebenen Seeleninhalt erklärt werden 
könnte, ist geradezu verschwindend klein, ganz abgesehen davon, 
dass mit dem Masstab empirischer Intelligenz gemessen, un¬ 
endlich vieles, wie man treffend bemerkt hat, zu weise ist, um 
durch seelisches Geschehen bedingt sein zu können. — Aber 
selbst wenn alle diese Bedenken nicht bestünden, so würde 
noch ein anderer, absolut entscheidender Grund gegen die 
Hypothese sprechen, dass die Beihe der räumlichen Erschein¬ 
ungen bedingt sei durch den Ablauf der psychischen. Nehmen 
wir nämlich einmal an, alle jene empirischen Grenzen unseres 
Bewusstseins existierten nicht, es wäre uns also eine lücken-
        

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