Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Willenshandlung. Ein Beitrag zur Physiologischen Psychologie
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38837/10/
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,samen Untersuchungen auch nur irgendwie anzudeuten. Es 
genügt uns hier, nur das eben zu betonen, wie anders sich 
die Frage erkenntnistheoretisch, wie anders sie sich psycho¬ 
physisch darstellt, vor allem, wie notwendig die scharfe Tren¬ 
nung der Untersuchungswege. Wenn wir fragen: wie kommt 
mein seelischer Wille dazu, meinen Körper zu bewegen?, so 
muss der Kriticismus antworten: die Fragestellung ist über¬ 
haupt falsch! die körperliche Bewegung und der psychische 
Wille sind nur die auf zwei verschiedene unwirkliche Substrate 
bezogenen Erscheinungen desselben unbekannten wirklichen 
Vorgangs; die Frage müsste also richtig gestellt werden: wie 
kommt ein Geschehnis dazu, unserem Bewusstsein in doppelter 
Erscheinungsform, als Wille und als Bewegung gegeben zu 
sein? und diese Frage gehört offenbar in die Erkenntnistheorie, 
nicht in die Psychophysik. 
So zweifellos richtig nun aber auch diese tiefer eindringende 
Fragestellung ist, so berechtigt bleibt dennoch jene der posi¬ 
tiven Wissenschaft, die uns beschäftigen sollte; es gilt nur, 
beide nicht achtlos zu vermengen. Die positiven Wissen¬ 
schaften, hier also Psychologie und Physiologie haben, gerade 
so wie das praktische Leben, sich um jene kritische Grundfrage 
gar nicht zu kümmern, sondern im Verfolg ihrer speziellen 
Aufgaben die Welt so aufzufassen, als wäre die gegebene Er¬ 
scheinung das absolut Wirkliche; das Vorhandensein der 
körperlichen und seelischen Welt ist die unbedingte und 
ungeprüfte notwendige Voraussetzung ihrer empirischen Unter¬ 
suchung; die BewegungsVorgänge der einen, die Bewusstseins¬ 
vorgänge der andern kausal und logisch, in sich widerspruchslos 
zu erforschen, ist ihre einzige Aufgabe. Wenn nun die Natur¬ 
wissenschaft die Erfahrungen über die Körper zu sammeln 
und die Hypothese von der zur Erklärung angenommenen 
Materie so auszubauen hat, dass sie einheitlichem Verständnis 
dient; wenn ebenso die Geisteswissenschaft die Thatsachen des 
Bewusstseins prüft und zu einer Theorie über die Seele gelangt 
als Hilfsvorstellung zur einheitlichen Verbindung und Erklärung
        

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