Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/483/
Zwölfter Abschnitt. Die Grundwerte. 
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wahrhaft zu Überzeugungen vorgedrungen, vor dessen Seele steht 
das eine unerschütterlich : unser Leben hat Sinn und Ziel. Wir sind 
nicht machtlos eingeschaltet in ein blindes Zufallsspiel, das die Werte 
der Erfahrung zerschneidet, sondern mit unserer ganzen Lebens¬ 
wirklichkeit gehören wir zu einer Welt, die sich zu Werten empor¬ 
ringt. Die starre Notwendigkeit, die uns zwingt, hat sich selbst 
als Wert erwiesen, den unser Wille setzt in seinem reinen Wollen zum 
Weltziel. Verscheucht ist die Angst vor der sinnleeren Überwirk¬ 
lichkeit, innerhalb derer unsere Welt der Erfahrung mit allem 
Wahren und Schönen und Guten doch nur zweckloses Aufbauen 
wäre. Im Jenseits des Ich wirkt ein Wollen zum Wert, das selbst 
unser Werten trägt und in keiner Unendlichkeit sich selber preis¬ 
geben kann. 
Und dieses Leben in der Welt der Werte ist eine frohe Bejahung. 
Wenn alles Dasein Wille ist, so soll nach pessimistischem Vorurteil 
das Leben fast unertragbar sein; jedes Wollen ist Unbefriedigung 
mit dem Gegegebenen, und wenn das Wollen erreicht ist, erstirbt 
jedes Lebensgefühl; so wäre die Welt ein Pendeln zwischen Schmerz 
und Langerweile. Wir wissen nun längst das Gegenteil. Gerade 
weil die Welt und das Leben unendlicher Wille sind, ist das wahre 
Leben erfüllt vom höchstmöglichen Maß der reinen Befriedigung. 
Wir sahen ja, das Wollen selbst ist nicht Schmerz; nur die Verwirk¬ 
lichung des Ungewollten bringt Unbefriedigung. Das stete Wollen 
ist also an sich durchaus kein Leiden ; im Gegenteil, es ist die not¬ 
wendige Bedingung für die Freude, die aus der Erfüllung quillt. 
Die Erfüllung selbst aber hebt das Wollen nicht auf, beraubt uns 
somit nicht der Möglichkeit neuer Befriedigung. Denn das betonten 
wir immer aufs neue, daß Erfüllung und Verwirklichung nichts 
anderes meint und meinen kann als Überführung zu neuem Willens¬ 
ansatz. Da die Welt nichts als Wille ist, will der Wille immer nur 
neues Wollen, und jede Verwirklichung ist Erfüllung, gerade weil sie 
neues Wollen hervortreibt. Wer den Wert setzt, trägt in sich eine 
Freude, die sich notwendig in jedem Pulsschlag des Lebens erneuert, 
und das Wollen selbst wird so zur unendlichen Quelle der Befriedi¬ 
gung. Kein Leid und keine Enttäuschung kann diesen ewigen 
Quell verschütten. Nur dann versiegt er, wenn der Wert grund¬ 
sätzlich verneint wird, die Einheit mit dem Über-Ich verleugnet 
wird, der weltfreudige Sinn des Lebens so durch eigenes Wollen ver-
        

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