Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/467/
Zwölfter Abschnitt. Die Grundwerte. 
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in diesem Übergang von Absicht zur Erfüllung sucht nun das Ich, 
seinem Urwesen gemäß, die Gleichheit; in der Naturentwicklung 
und in der wirtschaftlichen Stoffentwicklung kommt sie zum 
Ausdruck. 
So sind die drei Welten denn die Wirkungen der einen Strebens- 
leistung des Ich. Die drei Richtungen der Strebenswirkung gehören 
aber notwendig zusammen, denn in sie zerlegt sich einfach die 
ursprüngliche Tat. Die Urtat bestand doch darin, daß der Wille zu 
gesteigertem Wollen strebte, aber in dem Übergang zum Neuen sich 
selber festhielt, sich selber treu blieb, und so sich selbst entfaltete. 
Sonderte sich in dieser einheitlichen Tat der Wille als Streben von 
dem Willen als Inhalt, so wurde der Inhalt eine Mannigfaltigkeit in 
Zeit und Raum, das Streben aber zerlegte sich in unendlich viele 
Ichs. In jedem einzelnen Ich muß nun das ursprüngliche Tatganze 
auseinanderfallen; durch die Zersplitterung des einen Wollens in 
viele Ichs und in räumlich-zeitliche Gestalten, muß der fest¬ 
haltende Wille den Inhalt auf den verschiedensten Übergängen ver¬ 
folgen. In der Urtat hält sich der Wille ja selbst fest; in der Ichtat 
ist das Eestgehaltene ein fremdes Gegenüberstehendes und so ent¬ 
steht jene dreifache Möglichkeit : das Gewollte wird ohne Rücksicht 
auf sein Wollen weiter verfolgt zu den anderen Ichs oder zu den 
anderen Zeiten und Räumen, oder das Gewollte wird mit Rücksicht 
auf sein Wollen weiterverfolgt in anderes Wollen, oder das Gewollte 
wird in seinem Wollen weiterverfolgt bis zu seiner Erfüllung. Alle 
drei Übergänge sind notwendige Teile der einheitlichen Tat, in 
der das Wollen sich erhält, weil es Wollen ist, in sich übereinstimmt, 
weil es eines ist, und sich erfüllt, weil es Tat ist. Es sind die drei 
Wesensmomente der Urtat, die in jedem Ich gemeinsam enthalten 
sein müssen, in jedem Ich aber auch auseinander treten müssen, 
weil die Welt durch das Ich eine Mannigfaltigkeit geworden ist. 
Erst in der metaphysischen Überzeugung treten die drei Momente 
wieder zur Einheit zusammen, indem das Ich sich zum Über-Ich 
erweitert. 
Natur als Zusammenhang, Natur als Harmonie und Natur als 
Entwicklung sind so die drei nur durch die Enge des Ich gesonderten 
Seiten der einen ursprünglichen Tat des Über-Ich. Der Begriff des 
Weltall mag ihre Einheit zum Ausdruck bringen. Die Notwendig¬ 
keit des Zusammenhangs, die Einheit der Harmonie und der Fort-
        

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