Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/404/
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Zweiter Teil. Die Welt der Werte. 
Unterlaß zeigt uns das Leben, wie die Werte gegeneinander an¬ 
prallen. Es ist die scharfe Gegensätzlichkeit der reinen Werte, die 
uns weiterdrängt zu neuem Verlangen und zu neuer Tat. Die Welt 
des Wirklichen verneint zu oft die Ansprüche der Sittlichkeit und 
das Verlangen nach harmonischer Einheit; die Welt der Schönheit 
mag den Fortschritt hindern und den Zusammenhang der Dinge 
verleugnen; die Welt der wertvollen Betätigung mag das Glück zer¬ 
stören und der Erkenntnis entgegen arbeiten. Unser ganzes Sein ist 
erfüllt von der Spannung dieser Gegenkräfte. 
Dabei haben wdr kein Recht, die eine Weltausgestaltung 
unserer Erlebnisse grundsätzlich den anderen überzuordnen ; durch¬ 
aus gleichberechtigt entwickelt sich jede aus dem gleichen Urstoff 
des noch wertfreien Erlebens. Gewiß sind wir im täglichen Denken 
geneigt, die logische Wertgruppe den anderen voran zu stellen und 
so die Welt, welche Dasein und Zusammenhang aufweist, für die 
eigentliche Welt zu halten. Die Welten des Glücks und der Sittlich¬ 
keit verblassen dann ; sie werden zu scheinhafter Einbildung gegen¬ 
über der Welt der Wirklichkeit oder werden Nebenbestimmungen 
der einen allein bestehenden Welt. Wir wissen längst, daß solche 
Bevorzugung unzulässig ist. Wir wissen, daß die Welt als wirklich 
anzuerkennen nichts anderes bedeutet, als daß die Erlebnisse in 
Rücksicht auf gewisse Beziehungen bewertet werden; das Dasein 
der Welt, ihre Wirklichkeit und ihr Zusammenhang gilt uns als eine 
bestimmte Bewertung der freischwebenden Erlebnisse. Wenn wir 
statt dessen andere Beziehungen berücksichtigen und somit andere 
Werte aus dem Lebensinhalt herausgewinnen, so erheben sie sich 
mit genau gleichem Anrecht. Die Welt, die Dasein hat, weil sie sich 
selbst erhält, ist nicht wichtiger und nicht unmittelbarer und nicht 
gewisser als die Welt, die harmonisch ist, weil sie sich selbst erfüllt, 
oder die Welt, die würdig ist, weil sie sich selbst betätigt. Es sind 
schlechthin gleichwertige notwendige Gebilde, gleichermaßen von 
der überpersönlichen Bewußtseinsform des Wertes zusammen¬ 
gehalten. 
Die Vereinigung der Werte. Je sicherer die Gleichwertigkeit der 
verschiedenen Welten feststeht, desto deutlicher wird es, daß der 
Konflikt sich nicht aus ihrem eigenen Wesen heraus beseitigen läßt. 
Jeder Ausgleich bleibt da nicht nur äußerlich, sondern hebt den 
Sinn auf. Wenn etwa die Wissenschaft vergangener Tage Schön-
        

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