Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/400/
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Zweiter Teil. Die Welt der Werte. 
Die Übereinstimmung zwischen dem Sittlichkeitswert der 
Persönlichkeit und dem Rechts wert der Gesellschaft ist nunmehr 
klar übersehbar. Beide haben nur den einen Sinn, die Selbsttreue 
zu fordern und dadurch den erreichten Entwicklungswert zu sichern. 
Die wechselseitigen Wollungen der Gesellschaftsglieder entwickeln 
sich außerrechtlich, so wie die Wollungen der Persönlichkeit sich 
außersittlich entfalten. Ob Gesellschaft und Persönlichkeit sich 
wirklich entwickelten, hängt davon ab, ob sie mehr und mehr ihrer 
notwendig mitgedachten Aufgabe gerecht wurden. Dieses gewach¬ 
sene Wollen auf jeder Entwicklungsstufe gegen ein Herabsinken zu 
schützen, und in seiner Werthöhe zu sichern, vermag nur der Zwang, 
den für die Gesellschaft das Recht, für die Persönlichkeit das sitt¬ 
liche Gewissen einführt. Recht und Gewissen verlangen, daß Gesell¬ 
schaft und Persönlichkeit wirklich die Handlungen ausführen, die 
sie tatsächlich wollen. Der Rechts wert wird daher nur durch die 
Rechtslosigkeit aufgehoben, in der das gewollte Gesellschaftsver¬ 
halten nicht mehr zur Tat wird, und der Sittlichkeitswert wird nur 
durch die Selbstuntreue aufgehoben, durch die eine gewollte Hand¬ 
lung unausgeführt bleibt oder die nicht gewollte Handlung voll¬ 
zogen wird. Was durch Recht und Gewissen geschützt und gefestigt 
wird, muß wechseln und mag vergehen; ewig wertvoll bleibt nur, 
daß das Gewollte in Mitwelt und Innenwelt sicher geschützt wird. 
Nur durch das Recht betätigt die Gesellschaft, und nur durch die 
Sittlichkeit betätigt die Persönlichkeit ihr eigenes Wollen in ihrem 
Handeln. Sich selbst zu betätigen, in Freiheit sich selber treu zu 
bleiben, und so Wollen und Handeln identisch zu setzen, bedeutet 
aber für Gesellschaft und Persönlichkeit, daß in ihnen sich eine 
selbständige Wirklichkeit entfaltet, daß sie nicht nur Erlebnis, 
sondern Werte sind.
        

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