Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/369/
Zehnter Abschnitt. Die Leistungswerte. 
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ist die schließliche Bewegung vom Standpunkt des Wirtschafts¬ 
austausches gesehen, doch letzthin ein Stück feinster entwickeltster 
Natur. Im historischen Geschehen mag ja die Muskeltätigkeit ein¬ 
fach als Ausdruck des Willens gelten und bei solcher Betrachtung 
fängt dann die Außenwelt erst außerhalb der menschlichen Körper¬ 
oberfläche an, so daß die Muskeln selbst zur Innenwelt gehören. 
Aber im Wirtschaftlichen wird solche Trennung wieder aufgehoben; » 
Muskel und unkörperliche Natur verschmelzen und beide werden 
schließlich die eine krafterfüllte zum Ziel hinstrebende Natur, welche 
die Verwirklichung der menschlichen Willenszwecke möglich macht. 
Die Entwicklung der Wirtschaft. Überblicken wir das ganze 
Gebiet, so hat sich nun durch die bewertende Betrachtungsweise im 
einzelnen nichts geändert und doch sind die gesamten Beziehungen 
umgestaltet. Bestimmt ist jegliches durch die Wollungen der 
Menschen, denen die Außenwelt aus eigener Kraft in ihrer natür¬ 
lichen Entwicklung zustrebt, und denen sie nun von Menschenkraft 
durchdrungen in der Kulturleistung der Wirtschaft entgegen¬ 
drängt. Dabei muß der Entwicklungsgang der Gesellschaft diese 
Wollungen der Einzelnen immer höher und höher treiben, von dem 
selbstischen trägen Verlangen der niederen Sinne, das sorglos nur 
an Essen und Schlafen denkt, bis hinauf zu dem idealen Gipfelpunkt, 
auf dem jedes Wollen von reiner überpersönlicher Bewertung be¬ 
herrscht wird. Auf jeder Stufe aber, vom trägen Zustand der Ur¬ 
waldmenschen bis zum hastigen Treiben der Weltstadtbewohner, 
wird das menschliche Wollen dabei von sozialen Wechselbezie¬ 
hungen beeinflußt sein, die als solche nicht zum Wirtschaftsleben 
gehören. So ist etwa die Auffassung des Eigentums von politischen 
und vielerlei anderen unwirtschaftlichen Bedingungen abhängig, 
und nur in der engen Grenze solchen historischen Hechts kann sich 
das Eigentumsverlangen im Wirtschaftsleben betätigen. In gleicher 
Weise wirken ethische und ästhetische, soziale und religiöse Motive 
auf das tatsächliche Wollen ein. Aber so wie es nun schließlich 
gewollt wird, steht es als Ziel für die wirtschaftliche Bewegung da. 
Es gibt kein Wollen, das nicht der Naturmithilfe bedürfte, um sich 
in wirksame Tat einzusetzen. Aus der Durchführung erwachsen 
aber wieder neue Triebe, aus der Befriedigung neue Bedürfnisse und 
unablässig modelt so die gewährende Natur den verlangenden 
Menschen um.
        

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