Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/319/
Neunter Abschnitt. Die Entwicklungswerte. 
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Erinnerung der Menschheit nicht den trillionsten Teil. Die Welt, 
die da sinnlos sich hin und her schwingt, ist gar kein Erlebnisinhalt, 
sondern das Berechnungsergebnis des Naturforschers, berechnet 
unter dem besonderen Gesichtspunkt der Wissenschaft, um die 
besonderen Forderungen der Kausalerklärung zu erfüllen. Das aber 
sahen wir ja, daß wissenschaftlicher Zusammenhang und Entwick¬ 
lung sich in ihren Grundvoraussetzungen notwendig widersprechen. 
Die Welt, die vom Astronomen in kosmischen Ewigkeiten 
konstruiert wird, um der Forderung nach Erklärbarkeit zu genügen, 
muß jede Scheinveränderung letzthin in periodischen Rhythmus 
und somit in sinnlosen Stillstand umdenken, weil das Zuerkennende 
schlechthin das Beharrende sein soll. Das endgültige Anders¬ 
werden, das für die Entwicklung notwendig wäre, ist durch die 
Voraussetzungen somit bereits ausgeschlossen, sobald an die Stelle 
der wirklichen Erfahrungswelt die berechenbare und berechnete 
Naturforscherwelt gesetzt ist. Die Welt, die sich aus Nebelmassen 
herauslöst, ist somit grundsätzlich ungeeignet, uns den überpersön¬ 
lichen Sinn der Außenwelt zu bekunden. Die Natur, die sich nach 
mechanischen Gesetzen verschiebt und sich um den Menschen nicht 
kümmert, ist nicht eine Natur, um die sich der Mensch seinerseits 
zu kümmern hat, wenn es gilt, die Ziele der Welt zu erfassen. 
Der Mensch als Ziel der Natur. So sind wir scheinbar auf die 
Welt verwiesen, die um des Menschen willen da ist, und jederzeit 
lag es nahe, von dieser Warte aus den Sinn der Natur zu deuten. 
Entwicklung und Fortschritt ist alles, was zum Menschen hinführt, 
Rückschritt, was der Entstehung und Ausbreitung des Menschen 
hinderlich ist. Auch da mag die Erfahrung weit, vielleicht unendlich 
weit überschritten werden, aber die Konstruktion der Menschen¬ 
urzeit, der Tierwelt, die zur Menschenwelt führte, der Erdgestaltung, 
die zur Lebewelt hinführte, alles ist nun einem deutlich erkenn¬ 
baren eindeutigen Ziele zugewendet. Hier gibt es keine Pendel¬ 
bewegung. Wie die Welt ihr großes Ziel erreicht, mag dem Natur¬ 
forscher zur Entscheidung überlassen bleiben. Er mag herausfinden, 
ob Meteore von fremden Weltkörpern die Lebenskeime zur Erde 
trugen oder ob sich im Meeresgrund Moneren bildeten, die zu Pro¬ 
tisten wurden, oder ob erst unendlich niedrigere Lebewesen ent¬ 
standen, die erst in langer Entwicklung zu mikroskopisch sichtbaren 
protoplasmatischen Substanzen wuchsen. Er mag ermitteln, wie
        

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