Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/258/
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Zweiter Teil. Die Welt der Werte. 
werden, wenn die Beziehungen aufgehoben sind, das Ich ausge¬ 
löscht ist, das Erlebte seine eigene Form sucht, und alles dieses er¬ 
füllt sich, wenn statt des Wirklichen ein Unwirkliches geboten wird. 
Wenn das geschieht, erleben wir die Kunst: die bildende Kunst 
für das Wollen der Außenwelt, die Dichtkunst für das Wollen der 
Mitwelt, die Tonkunst für das Wollen der Innenwelt. 
A. Die Bildende Kunst. 
Der Inhalt des Bildwerks. Die bildende Kunst soll den ins 
Unwirkliche erhobenen Inhalt der Außenwelt in seiner Willensein¬ 
stimmigkeit zum Ausdruck bringen. Nun haben wir von vorn¬ 
herein den Einstimmigkeitswert vornehmlich am Beispiel der Außen¬ 
welt und ihrer natürlichen Harmonie entwickelt und ebenso den 
Schönheitswert hauptsächlich mit Rücksicht auf die Malerei und 
Bildhauerkunst abgeleitet. Das Wesen der einstimmigen Außen¬ 
welt und der bildenden Kunst liegt somit schon deutlich und be¬ 
stimmt vor uns; es bedarf nur noch weniger Striche zur Ergänzung. 
Vor allem mag es wünschenswert sein, doch noch ein wenig weiter 
zu verfolgen, wie sich im Falle der büdenden Kunst Gehalt und 
Gestalt zu einander finden und gemeinsam ihrer einheitlichen Auf¬ 
gabe dienen. 
Jedes Bild im Rahmen hat uns einen Inhalt mitzuteilen, 
gleichviel ob es ein Heiligenbild oder eine Genreszene, ein Still¬ 
leben oder eine Landschaft ist. Wir haben ausführlich verfolgt, 
warum dieser Inhalt eine Mannigfaltigkeit in uns anregen muß, 
warum er bedeutsam sein muß, warum er vollkommen in sich ab¬ 
geschlossen sein muß; und zwar sowohl in dem Sinne, daß er alles 
enthält, was zur Darstellung seiner Idee notwendig, als auch in 
dem anderen Sinne, daß er nichts enthält, was notwendig über 
das Kunstwerk hinausweist. Wir haben auch davon gesprochen, 
daß solche Idee nicht als begriffliches Gebilde in Frage kommt 
und nicht als Verkündung einer Überwelt, sondern durchaus mit 
dem Anregungswert und dem Ausdruck des Dargebotenen selbst 
zusammenfällt. Die lebendige Fülle dieser Mannigfaltigkeit, ihre 
Bedeutsamkeit, ihre Bestimmtheit und Übersichtlichkeit, ihre in¬ 
nere Geschlossenheit und die ersichtliche Notwendigkeit ihrer Teile, 
wird über den Wert des bildlichen Stoffes entscheiden. Auch davon 
überzeugten wir uns, daß der Wert dieses stofflichen Inhalts für
        

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