Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/238/
232 
Zweiter Teil. Die Welt der Werte. 
ja, daß jeder Vorgang der Aufmerksamkeit diese doppelte Wesen¬ 
heit zeigt : auf der einen Seite wird das aufmerksam Erfaßte leben¬ 
diger, klarer, lebhafter, willenserfüllter, auf der anderen Seite wird 
alles Gegenstehende verschwommen, unlebendig, gehemmt. Gegen¬ 
stehend ist aber alles, das zu entgegengesetzten Wollungen führt. 
Jeder einzige Akt der Aufmerksamkeit hat somit schon in sich die 
Kraft, das Wollen auszugleichen und zu vereinheitlichen, im letzten 
Grunde somit dem Glücke den Weg zu bahnen. Gerade durch diese 
auslöschende hemmende Kraft führt uns zum Glücke am schnellsten 
doch schließlich die reine Kunst. Die Einheit der Innenwelt ist 
uns dort gewiß, denn mit dem Rahmen des Bildes, mit dem letzten 
Reim des Gedichtes, mit der Kulisse des Theaters schließt sich die 
Welt, in der wir während des Kunstgenusses leben, und jede andere 
Wollung ist gehemmt. 
Die Stärke, die Mannigfaltigkeit, die Tragweite und die Bedeu¬ 
tung des Wollens wird dem Einheitswert des Glücks seine besondere 
ästhetische Stellung geben. So wie die Sinfonie höher steht als das 
Liedchen, so wird die Sinfonie eines kraftbewegten, Schaffens- 
reichen, erlebnisvollen, weithinwirkenden Menschenlebens ästhe¬ 
tisch höher stehen als das Glück im Winkel und als die Freude der 
Genügsamkeit. Der Wert selbst ist aber auch in der schlichtesten 
Form vollendet. Daß hundert mal hundert zehntausend gibt, ist 
nicht wahrer und hat keinen größeren logischen Wert als daß drei¬ 
mal drei neun ist. Die Innenwelt, deren Wollen beim Erlebnis der 
Außenwelt und Mitwelt durchaus in Einheit mit sich selber bleibt, 
ist schlechthin wertvoll; allen Bedingungen, die wir für den Ein¬ 
heitswert verlangten, sind erfüllt. Dadurch ist aber endlich der 
ewige Selbstwert des Glückes zu seinem Recht gebracht. 
Die idealistische Weltanschauung mag in der Tat allen Grund 
haben, die Aufgaben unseres Handelns von aller Rücksicht auf das 
Glück zu trennen; sie mag den Sinn der Pflicht und des Guten so 
streng fassen, daß die sittliche Wertlosigkeit des Glücks völlig klar 
wird. Deshalb dem Glück aber jeden reinen Wert abzusprechen 
und es aus der Höhengemeinschaft mit dem Wahren und Schönen 
und Guten grundsätzlich zu verbannen, geht nicht an. Wer im 
Glücke nichts als persönliche Lust sieht, der kann freilich kein 
Zugeständnis machen. Das aber ist nur der Groll der Bilderstür¬ 
mer, die alles Glück aus der reinen Wertwelt ausweisen wollen,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.