Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/183/
Sechster Abschnitt. Die Zusammenhangswerte. 
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das Erlebtwerden durch den einzelnen handeln, sondern um die 
losgelöste Wirklichkeit; ihre Identität ist erkennbar, wenn, ohne 
jede Beziehung auf eine bestimmte Persönlichkeit, die eine Bewer¬ 
tung sich unmittelbar an die Stelle der anderen einsetzen läßt, ohne 
das Wollen selbst zu verändern. 
Gewiß muß das neue Wollen ganz neue Beziehungen und neue 
Wollenseigenschaften aufweisen, so wie die eine Seite einer Glei¬ 
chung sich von der anderen unterscheidet, oder wie die identischen 
Atome einer Wassermenge übergeführt in getrennte Sauerstoff¬ 
und Wasserstoffbehälter neue Eigenschaften zeigen. Aber das 
Wollen selbst wird auch in der neuen Form unverändert bleiben 
müssen, wenn ein wirklich notwendiger Zusammenhang empfunden 
werden soll. Gerade durch diese Überführung zu neuer Form, und 
das heißt zu neuem Willensansatzpunkt, bei identischem Erhalten¬ 
bleiben vollendet sich ja die Verwirklichung des Strebens. Die eine 
logische Anerkennung ist dann unter den neuen Bedingungen tat¬ 
sächlich zugleich die andere; der eine Akt der ästhetischen Hinge¬ 
bung deckt sich mit dem anderen; das eine Wollen ethischer Wür¬ 
digung trägt das andere in sich; die eine religiöse Überzeugung 
bindet die andere. 
Dabei ist es natürlich nicht nötig, daß die Aufmerksamkeit sich 
der Gesamtumsetzung zuwendet; die besondere Aufgabe verlangt 
meistens nur die Beachtung besonderer Teilidentitäten. Wer das 
Wasser durch den galvanischen Strom umwandelt, mag nur an der 
Gewinnung des Sauerstoffs Interesse finden und den Wasserstoff 
unberücksichtigt lassen, und wer das bejahende Wollen eines Ge¬ 
setzes auf löst, mag nicht bei allen eingeschlossenen Fällen, sondern 
nur bei einem einzigen verweilen; der Wille zum Einzelfall bleibt 
aber dann immer noch identisch mit einen Teilwollen des umfassen¬ 
den Gesetzes. Sollen in unserer Vernunft die Anerkennungen, die 
Hingebungen, die Würdigungen, die Überzeugungen wirklich Zu¬ 
sammenhängen, so müssen wir voraussetzen, daß sie im letzten 
Grunde alle mit unserem Grundwollen in diesem Sinne identisch 
sind; alles systematische Begreifen der logischen, ästhetischen, 
ethischen und religiösen Werte wird so nur ein Entdecken und Auf- 
finden dieser Beharrung unseres tiefsten Selbst. Bei der Erörterung 
der metaphysischen Grundwerte wird alles das zu eingehender 
Durchführung kommen. 
Münsterberg, Philosophie der Werte. 
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