Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/162/
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Zweiter Teil. Die Welt der Werte. 
das nicht zum Inhalt geworden ist. Selbst wenn man uns zugibt, 
daß wir im unmittelbaren Erlebnis zwei verschiedene Arten des 
Erlebens kennen, das Vorfinden des Inhalts und das Fühlen der 
eignen und fremden Stellungnahme, so mag man es doch für un¬ 
möglich erklären, solchen gefühlten eignen Akt oder solche fühlend 
erlebte fremde Zumutung im Zustand des Willenserlebnisses in die 
Sphäre der Erkenntnis zu erheben. Wir erleben unser Wollen als 
Selbstakt, als Entscheidung, als Tat, aber selbst wenn wir es in uns 
selbst als ein daseiendes festhalten und betrachten wollen, so müssen 
wir es in ein Objekt verwandeln. Der Gegensatz von Naturwissen¬ 
schaft als „objektivierender“ Wissenschaft und Geschichtswissen¬ 
schaft als „subjektivierender“ Wissenschaft scheint somit von vorn¬ 
herein phantastisch. 
Doch solch ein Bedenken darf uns nicht schrecken, nachdem 
wir den Daseinswert der Wesen bereits näher geprüft. Wer erst 
einmal deutlich erfaßt hat, wie wir unsere Stellungnahme und die 
Aufforderungen fremder Wesen durchaus nicht wahrnehmungs- 
artig erleben, sondern mit jener unvergleichlichen Tatgewißheit, 
die auf der Zurückweisung des Gegenwollens beruht: der kann 
auch leicht verfolgen, daß nichts davon im Erkenntnisakt verloren 
geht. Die Begriffe eines Urteils sind allgemein, das in den allge¬ 
meinen Begriffen Festgehaltene kann deshalb doch als ein Ein¬ 
maliges gedacht sein. Ebenso sind die Urteilsbegriffe Objekte, 
deren Verbindung ich bejahe; das durch die Begriffsobjekte Aus¬ 
gedrückte kann aber trotzdem schlechthin Nichtobjekt bleiben. 
Sicherlich widerspricht dem auch nicht das noch unformulierte, 
nicht in Begriffe gebrachte Erkennen des eignen oder fremden Er¬ 
lebens. Den Akt, den ich subjektiv erlebe, mache ich zum Gegen¬ 
stand meiner Erkenntnis dadurch, daß ich sein wirkliches Dasein 
bejahe; wir sehen aber, daß diese Anerkennung des Daseinswertes 
nur darin besteht, daß ich den erlebten Willen festhalte als identisch 
mit dem auf andere Ziele gerichteten Wollen. Der Daseinswert 
des Willens wird dadurch objektiv im Sinne von allgemeingültig, 
aber der Wille selbst wird dadurch nicht zum Objekt. Wir halten 
den Willen fest, indem wir ihn lebhaft wollen, uns von seiner 
Richtung nicht abdrängen lassen und sein Gegenwollen zurück¬ 
weisen; dadurch wird er nicht zum gegenständlichen Bewußtseins¬ 
inhalt, den das erkennende Bewußtsein wie eine Vorstellung wahr-
        

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