Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Philosophie der Werte: Grundzüge einer Weltanschauung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38813/107/
Fünfter Abschnitt. Die Daseinswerte. 101 
hat schlechthin keinen Anteil an der von absolutem Daseinswert 
getragenen Welt. 
Läge der Daseinswert einfach darin, daß ein Objekt vielen 
Subjekten gegeben ist, so könnte man es sich ja vorstellen, daß dem 
nur einem einzelnen Subjekt erlebbaren Inhalt wenigstens ein 
kleiner Bruchteil der echten Existenz zukäme und somit dem phan¬ 
tasierten Objekt jener verdünnte Daseinswert bliebe, den wir 
psychische Existenz nennen mögen. Aber so liegt es ja nicht. Der 
Daseinswert stammt nicht aus dem bloßen Vorhandensein in vielen, 
sondern aus dem Bewußtsein der Identität des in den vielen Vor¬ 
handenen, und wo dieses Wiederfinden des Gesuchten, dieses Er¬ 
füllen des Gewollten, dieses Verwirklichen fehlt, kann es keine über¬ 
persönliche logische Befriedigung, keinen Daseinswert geben. Das 
Luftschloß hat deshalb schlechthin gar keinen Daseinswert. In 
meiner ursprünglichen Erfahrung zielt somit meine grundsätzliche 
Scheidung notwendig zunächst darauf, zu ermitteln, welche Ob¬ 
jekte wirklich sind und welche nicht; diejenigen, denen ich nicht 
absoluten Daseinswert beilegen kann, weil ich sie nicht in jeglicher 
Erfahrung wiederfindbar denken kann, sind von diesem Standpunkt 
aus schlechthin wertlos. 
In ganz anderem Sinne und auf ganz anderem Wege tritt nun 
freilich auch das Geträumte, Gewünschte, Erwogene, Erwartete in 
die Welt des Daseins. Wir haben bisher nur von den Objekten ge¬ 
sprochen, nicht vom Dasein der Subjekte; das wollende Wesen ist 
an sich niemals ein existierendes Objekt, aber sein Dasein als Sub¬ 
jekt trägt die Wirklichkeit. Das Subjekt nun wird in seinen Tätig¬ 
keiten, in seinen Akten der Stellungnahme verstanden, und diese 
Tätigkeiten beziehen sich auf seine Objekte, gleichviel ob diese 
Objekte wirkliche sind oder nur individuell erlebte. Um die wirk¬ 
lichen Subjekte zu verstehen, wird es daher notwendig sein, auch 
die rein persönlich erlebten Dinge, die bloßen Annahmen und Illu¬ 
sionen der Einzelpersönlichkeit in Betracht zu ziehen und so mit der 
Welt des Daseienden zu verknüpfen. Und dort setzt nun schlie߬ 
lich die zusammenhangsuchende Wissenschaft ein und überträgt 
denBegriff des allgemein zugänglichen Daseins auf jene Gebilde, die 
nur als Bestimmungsmomente des Ich erlebt werden. 
Sie muß zu dem Zweck das individuell Erfahrene in den Körper 
hineinverlegen, und so erhält schließlich auch das Phantasiebild und
        

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