Bauhaus-Universität Weimar

Lust und Unlust. 
(Eine vorläufige Mitteilung.) 
Die neueren Untersuchungen über die Natur der sinn¬ 
lichen Gefühle beschäftigen sich in erster Linie mit der quali¬ 
tativen, quantitativen, räumlichen und zeitlichen Beschaffenheit 
derjenigen psychophysischen Erregungen, welche in uns Lust 
oder Unlust erwecken; dagegen Lust und Unlust selbst, also 
die eigentlichen Gefühle, werden nirgends psychophysisch zu 
erklären versucht. Freilich besitzen wir ausführliche Erörte¬ 
rungen über gefühlserzeugende Nervenprozesse und speziell 
der Schmerz ist in seinen psychophysischen Bedingungen oft 
studiert, aber es ist leicht zu erkennen, dass hier ein Irrtum 
zu Grunde liegt, wenn in diesen Prozessen mehr gesucht wird 
als die Bedingung derjenigen Empfindungen, welche in uns 
die Gefühle erwecken. Es ist ja vielleicht richtig, dass die 
Schmerzempfindung auf besonderen, vielleicht trophischen Pro¬ 
zessen beruht, die nicht eine Steigerung der normalen Sinnes¬ 
erregung, sondern eine besondere Erregungsart sind, oder in 
besonderen Nerven ablaufen, aber damit ist immer nur jener 
nach Qualität und Intensität charakteristische Empfindungs¬ 
inhalt erklärt, der die Schmerzempfindung ausmacht, nicht 
aber erklärt, worin jenes Unlustgefühl besteht, mit welchem 
wir die Schmerzempfindung aufnehmen, und wie jenes Unlust¬ 
gefühl entsteht, das zur Schmerzempfindung genau so hinzu¬ 
tritt, wie zur unangenehmen Geschmacksempfindung. Wollust 
und Schmerz sind nicht die äussersten Grade von Lust und
        

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