Bauhaus-Universität Weimar

Zeit ausfttllnn g. 
Welchen Einfluss hat die Ausfüllung eines Zeitinter¬ 
valls auf die unmittelbare Grössenbeurteilung des¬ 
selben? Dass wir in der Erinnerung diejenige Zeitstrecke für 
grösser halten, welche reicher an Vorstellungsinhalten ist, wird 
allgemein zugegeben; aber auch darin herrscht weitgehende 
Uebereinstimmung, dass eine solche aus der Erinnerung oder 
der Phantasie gewonnene Vorstellung verflossener Zeiträume 
nicht unmittelbares Produkt des Zeitbewusstseins ist, das letz¬ 
tere sich vielmehr direkt nur auf kleine Zeitgrössen bezieht. Es 
fragt sich, wie weit die Vergleichung solcher kleinen, direkt 
erfassbaren Zeitstrecken dadurch beeinflusst wird, dass die zu 
vergleichenden Intervalle verschieden ausgefüllt werden. 
Den psychophysischen Mechanismus dieser direkten Ver¬ 
gleichung hatte ich in meiner Studie über den Zeitsinn (Bei¬ 
träge, Heft II) zu analysieren versucht; ich bemühte mich, 
auf Grund der Selbstbeobachtung, der eigenen Versuche, der 
gelegentlichen Beobachtungen anderer und der Widersprüche 
älterer Experimente, jene Vergleichung als Funktion der mo¬ 
torischen Apparate darzulegen. Wir machen eine Zeitstrecke 
einer vorangehenden gleich, indem wir jene plötzliche Muskel¬ 
spannung, jene motorische Accentuation, mit der unser Körper 
auf die sensorischen Abgrenzungen des ersten Intervalls rea¬ 
giert, im gleichen zeitlichen Zwischenraum wiederholen. Dass 
dieser Zwischenraum aber der gleiche ist, schien mir nicht 
durch centrale Prozesse allein, sondern vornehmlich durch den
        

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