Bauhaus-Universität Weimar

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immer 165 Bilder, bei denen nach dem zugerufenen Wort 
zwei, drei, vier oder fünf verschiedene Gegenstände sich zeit¬ 
lich vor allen übrigen bemerkbar machten. Sie bilden einen 
zwingenden Beweis dafür, dass eine Bevorzugung bestimmter 
Wahrnehmungsobjekte auf Grund associativer Momente der 
Wahrnehmung selbst vorangehen kann, die äussere Er¬ 
regung also nicht erst dann Associationen erweckt, 
sobald sie sich in einen bewussten Vorgang umgesetzt 
hat, sondern zwischen äusserer Reizung und bewusster zen¬ 
traler Erregung eine nicht bewusste Zwischenstufe liegt, in 
der das Spiel der auf associativen Miterregungen beruhenden 
Verstärkungen und Hemmungen, Beschleunigungen und Ver¬ 
langsamungen ebenso wirksam sein kann wie im Bewusstsein 
selber. 
III. 
Die Ansichten der Psychologen gehen noch immer darüber 
auseinander, ob zwischen dem sinnlichen Eindruck und 
der in der Phantasie oder Erinnerung entstehenden Repro¬ 
duktion desselben ein prinzipieller Unterschied be¬ 
steht. Dass die reproduzierte Empfindung gewöhnlich durch 
die Hemmung, welche sie durch andere gegenwärtige Sinnes¬ 
eindrücke erfährt, an Stärke, Lebhaftigkeit, Beständigkeit 
und Deutlichkeit hinter dem sinnlichen Eindruck zurücksteht, 
bezweifelt niemand; es fragt sich nur, ob dieser Unterschied 
ein notwendiger ist, und ob nicht unter günstigen Bedingungen 
beide völlig ununterscheidbar werden können. Die abnormen 
Erscheinungen des Traumes, der hypnotischen Suggestion, 
der Hallucination u. s. w. sind dabei besser ausser acht zu 
lassen, weil sie, wie es durch Meynert u. a. geschah, eine 
Deutung zulassen, die sie von den eigentlichen Erinnerungs- 
erscheinungen ablöst. 
Im normalen psychischen Leben sind es nun zweifellos 
die Apperceptionsillusionen, welche am lebhaftesten für die 
prinzipielle Gleichheit der wahrgenommenen und der repro- 
Münsterberg, Beiträge. IV. 2
        

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