Bauhaus-Universität Weimar

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Setzungen; wir sehen die merkbare Winkelverschiebung von 
1 0 bis 7 ° stetig zunehmen, allenfalls mit der unbedeutenden 
Ausnahme, dass von 135° zu 157,5° keine Zunahme, sondern 
nur Stillstand eintritt. Dass die in Graden ausgedrückte Ver¬ 
schiebung nicht in einem konstanten Verhältnis zu den Graden 
des Normalwinkels steht, kann nicht verwundern, da uns 
nichts berechtigt, die Zunahme der Spannungsempfindung 
direkt der Zunahme des Kopfwendungswinkels proportional 
zu setzen. Wir wissen nur, dass, wenn dieser zunimmt, auch 
jene anwächst; wir können daher auch nicht mehr erwarten, 
als dass die merkbare Winkelverschiebung mit dem gegebenen 
Winkel stetig zunitnmt. Dass etwa beim doppelten Winkel 
auch die merkbare Verschiebung gerade doppelt so gross sein 
soll als beim einfachen, das ist in keiner Weise in den Vor¬ 
aussetzungen begründet; alles was dieselben aber verlangen, 
trifft zu. 
Umgekehrt müssen wir sagen: wenn wir auf die Vor¬ 
aussetzungen unserer Theorie verzichten, so sind die Zahlen 
der Tabelle geradezu unerklärlich. Stellen wir uns auf den 
Boden der Lokalzeichentheorie, so bleibt es uns völlig rätsel¬ 
haft, weshalb von 0° bis 180° die Lokalzeichen immer 
dünner gesät sein sollen; für sie repräsentiert die Zunahme 
des Winkels ja keine Zunahme irgend einer Empfindung. 
Der Nullpunkt des Kreises kann für sie ja an jeder belie¬ 
bigen Stelle liegen; die Entfernung von demselben müsste 
an jeder Stelle dieselbe Bedeutung besitzen. Für das Auge 
konnte die Lokalzeichentheorie manche Lücken ihrer Erklä¬ 
rung dadurch verdecken, dass sie auf die Anordnung der licht- 
percipierenden Elemente in der Netzhaut hinwies. Unsere 
Lokalisationsfähigkeit soll nach der Seite hin geringer werden, 
weil die Stäbchen dort nicht so nahe bei einander stehen; für 
das Ohr kann doch aber wahrlich von derlei nicht die Rede 
sein. Sollen etwa den von hinten kommenden Schall andere, 
weiter aus einander stehende Elemente aufnehmen als den von 
vorne kommenden?
        

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