Bauhaus-Universität Weimar

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von rechts her zugeleiteten Schallempfindung so zu beein¬ 
flussen, als wäre auch links ein Schall hörbar. Hätte die 
Schallempfindung selbst ihr „Lokalzeichen“ , so 
müsste mit ihrem Erlöschen auch ihr Einfluss auf 
die räumliche Projizierung des übrigen Bewusst¬ 
seinsinhaltes aufhören; da dieser aber thatsächlich 
fortdauert, so muss diejenige centripetale Erregung, 
welche uns als Schallempfindung bewusst wird, und 
diejenige Erregung, welche in uns die Vorstellung 
der Beziehung auf einen bestimmten Raumpunkt 
auslöst, nicht nur nicht identisch, sondern in ge¬ 
wissen Grenzen voneinander unabhängig sein. 
Für gewöhnlich fehlt uns die Möglichkeit, beides zu tren¬ 
nen. Wird uns ein akustischer Reiz zugeführt, so verbindet 
sich die Schallempfindung so fest mit der Raumempfindung, 
dass wir subjektiv nicht eins vom anderen lösen können. 
Und hört die Schallempfindung auf, so muss die Raumem¬ 
pfindung unserem Bewusstsein entschwinden, weil diese eben 
nur in Anlehnung an jene für uns Sinn gewinnt. Eine innere 
Beziehung zu bestimmten Punkten des Gehörraums, ohne dass 
von denselben wirklich Schall auszugehen scheint, können 
wir natürlich nicht gesondert wahrnehmen. Die einzige 
Möglichkeit wäre eben nur die, dass sich die Raumempfin¬ 
dung des einen Ohres mit der Schallempfindung des anderen 
Ohres verbindet, und diese einzige theoretische Möglich¬ 
keit ist durch jenes Experiment als wirklich vorhanden er¬ 
wiesen. 
Unserer Theorie zufolge beruht die Lokalisation des 
Schalls darauf, dass zu der Schallempfindung noch die Em¬ 
pfindung einer reflektorisch ausgelösten Kopfbewegung, resp. 
das betreffende Innervationsgefühl hinzukam. Der zu prü¬ 
fende Einwand war der, dass wenn die objektive räumliche 
Veränderung der Schallquelle eine Veränderung der reflek¬ 
torischen Kopfbewegungen und dadurch eine Veränderung 
der subjektiven Lokalisation zu erzeugen vermag, dass dann
        

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