Bauhaus-Universität Weimar

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Recht, dass diese Hypothese voraussetzt, was sie erklären 
sollte. Eine allseitig befriedigende Erklärung sämtlicher 
Phänomene ist mithin bisher nicht geboten; das wirklich fest¬ 
stehende Thatsächliche, das auf Kleinhirnverletzung und derlei 
nicht mehr zurückgeführt werden kann und allen Einwänden 
der bisherigen Diskussion durch die Versuehsmethode ent¬ 
zogen ist, scheint mir die neueste Arbeit von Breuerx) 
zu bieten. Breuer gelang es, bei Tauben Reizversuche an 
frei präparierten, aber völlig unverletzten Ampullen anzu¬ 
stellen, so dass von einer Mitverletzung des Gehirns nicht 
die Rede sein kann. Die Reize waren teils thermisch, etwa 
ein Tröpfchen Eiswasser, teils elektrisch, wobei als Elektro¬ 
den feinste vergoldete Nähnadeln dienten, teils mechanisch. 
Es stellte sich dabei als unzweifelhaft heraus, dass von jedem 
Bogengang aus Kopfbewegungen in der Ebene des betreffen¬ 
den Ganges ausgelöst werden. Wird ein Kanal durch Flach- 
schnitt eröffnet und die Endolymphe durch ein Streifchen 
Fliesspapier ausgesaugt, so finden ebenfalls Bewegungen statt 
und zwar derart, dass die Richtung der Endolymphströmung 
die Richtung der Kopfbewegung bestimmt. 
II. 
Jede Theorie, welche die Lokalisation der Gehörsem¬ 
pfindung und die Funktion der Bogengänge erklären will, 
muss zwei Gruppen von Thatsachen berücksichtigen. Erstens 
steht, wie Prey er bewiesen hat, fest, dass zwischen den durch 
Schall von bestimmter Richtung hervorgerufenen Erregungen 
des Labyrinths und den Lokalisationen der Schallempfindungen 
insofern ein Parallelismus besteht, als die Sicherheit der 
Schalllokalisierung zunimmt mit der Verschiedenheit der ent¬ 
sprechenden Bogengangerregungen ; am sichersten werden die- 
*) Breuer, Neue Versuche an den Ohrbogengängen. Pflügers Archiv 
Bd. 44. S. 139.
        

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