Bauhaus-Universität Weimar

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den Fixations- und Akkommodationsmuskeln des 
Auges. 
Der Vorgang, den uns die Versuchsergebnisse sofort be¬ 
gründen sollen, würde somit einfach folgendermassen zu den¬ 
ken sein. Voraussetzung der Experimente war, dass der 
« 
graue Ring bei gespannter Aufmerksamkeit eben gerade 
merkbar war; ein Verschwinden der nicht an der Grenze 
der Sichtbarkeit stehenden Ringe kommt überhaupt nicht 
in Frage. Nun können wir unerörtert lassen, worin phy¬ 
siologisch und psychologisch das Wesen dieser gespannten 
Aufmerksamkeit besteht, das aber ist sicher, dass, gleichviel 
ob man es als Bestandteil oder als Ursache oder als Folge 
der Aufmerksamkeit betrachten will, unser Auge unter nor¬ 
malen Bedingungen auf einen aufmerksam beobachteten Reiz 
fixiert und für denselben akkommodiert ist. Der graue Ring 
ist also zunächst gerade eben noch sichtbar, wenn die Augen¬ 
muskeln den Augapfel in einer Stellung halten, in der der 
beobachtete Reiz den gelben Fleck trifft, und wenn die Ak¬ 
kommodationsmuskeln so gespannt sind, dass die Lichtstrahlen 
des fixierten Punktes sich genau auf der Netzhaut vereinigen. 4 
Es ist leicht ersichtlich, dass der Ring nun verschwinden ; 
muss, sobald der Augapfel irgend eine Ablenkung erfährt 
oder der Akkommodationsmuskel auf grössere oder geringere 
Entfernung sich einstellt als die Entfernung der Scheibe vom 
Auge. 
Für die Akkommodation ist das ganz klar. Da die beiden 
Lichtintensitäten so minimal verschieden sein sollten, dass sie 
bei der unmittelbaren Berührung des Ringes mit der Scheibe 
nur gerade eben unterschieden werden konnten, so wrürde 
der Unterschied unmerkbar sein, sobald die beiden Licht¬ 
stärken statt der scharfen Grenze durch allmähliche Ueber- 
gänge dazwischenliegender Intensitätsabstufungen getrennt 
wären. Je allmählicher der Uebergang, desto schwieriger 
wird die Unterscheidung, die offenbar unmöglich ist, sobald 
die beiden äussersten Stufen selbst so wenig unterschieden
        

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