Bauhaus-Universität Weimar

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eine Hypothese ein, die ja schon freilich mehrfach aufgestellt, 
einer überwältigenden Menge von Thatsachen aber wider¬ 
spricht und keinenfalls so selbstverständlich lediglich um die 
periodischen Schwankungen unterzubringen als zweifellos hin- 
genommen werden darf: die Hypothese, dass die Erinnerungs¬ 
bilder an ein anderes physiologisches Substrat gebunden sind 
als die Wahrnehmungen. Indem er die Tragweite dieser un¬ 
berechtigten Hypothese nicht berücksichtigt und sie dem nicht 
minder unberechtigten Versuch unterordnet, seinen Apper- 
ceptionsbegriff mit der Psychophysik zu verkoppeln, entsteht 
eine so einfache wie elegante Theorie, derzufolge unser Be¬ 
wusstsein sich einem Bewusstseinsinhalt dadurch aufmerksam 
zuwendet, dass es willkürlich Erinnerungsbilder desselben In¬ 
haltes hervorruft, welche mit der realen Empfindung ver¬ 
schmelzen. Die Schwankungen der sinnlichen Aufmerksam¬ 
keit führen somit auf eine, durch unser Bewusstsein, nicht 
durch den Bewusstseinsinhalt bedingte periodische Assimilation 
von Erinnerungsvorstellungen zurück. Die weiterhin von 
denselben Beobachtern gefundene Thatsache, dass auch die 
Erinnerungsbilder an sich schon entsprechende Schwankungen 
aufweisen, reiht sich dem aufs beste ein. Wir werden auf 
die Theorie wie auf die Experimente zurückkommen müssen. 
Ich habe angedeutet, in welchem Sinne ich die gesamte 
prinzipielle Grundlage der Theorie für falsch halte; ich muss 
hinzufügen, dass die Fehler dieses Fundamentes die Benutzung 
des Aufbaues, besonders im einzelnen, durchaus nicht beein¬ 
trächtigen. Im Gegenteil, die ganze Schilderung der Vor¬ 
stellungsverstärkung durch Erregung ihrer motorischen Ele¬ 
mente, ist an fruchtbaren Ideen ungewöhnlich reich und der 
Umstand, dass diese motorische Verstärkung, Langes psycho¬ 
logischen Auffassungen gemäss, von dem souverän auf den 
psychologischen Mechanismus wirkenden Bewusstsein ausgehen 
soll, stört nur, wenn auf die prinzipiellen Grundfragen der 
Theorie zurückgegangen wird. Ist die Theorie erst zuge¬ 
geben , so lässt sich ihr nun natürlich eine ganze Reihe
        

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