Bauhaus-Universität Weimar

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machen versucht, wird von der Richtigkeit überzeugt und 
zieht die nötigen Konsequenzen; wer es nicht Selbst macht, 
kann aus blossen Zahlen da keine Ueberzeugung gewinnen, 
weil der Ein wand möglich ist, dass im letzteren Fall nicht 
nur die Spannungen unbeachtet blieben, sondern eben die 
Aussagen des Zeitsinns. Nun die vorher geschilderten Ver¬ 
suchsreihen sind einem solchen Ein wand nicht ausgesetzt, da 
ihre Faktoren durchaus objektiver Prüfung zugänglich sind 
und gerade sie haben aufs deutlichste bewiesen, dass es einen 
besonderen Zeitsinn unseres Bewusstseins nicht gibt, dass die 
Veränderungen unserer psychophysisch bedingten körperlichen 
Spannungen und Entspannungen den Massstab unserer Zeit¬ 
vorstellung bilden. In der körperlich bedingten Periodizität 
dieser Spannungen liegt die einzige Ursache für die Er¬ 
scheinungen, welche bisher den Irrtum erweckt hatten, als 
käme dem Bewusstsein selber Periodizität zu ; nicht die phy¬ 
sisch unbedingte transcendentale Apperception fungiert in 
ihrer Zeitauffassung periodisch, sondern diejenigen physiolo¬ 
gischen Erregungen, deren centripetale Wirkung unsere Zeit¬ 
vorstellung ist, unterliegen periodischem Wechsel. Der 
scheinbar exakteste Beweis dafür, dass unser Bewusstsein 
nicht nur des psychophysisch gebotenen Bewusstseinsinhaltes 
sich bewusst wird, sondern in ihn auch aktiv eingreift und 
seine Beziehungen zu demselben verändert, hat sich als eine 
Reihe unkritischer Irrtümer ergeben. Nicht dem Bewusst¬ 
sein sind die periodischen Schwankungen des Zeitsinns zuzu¬ 
schreiben, sondern dem Bewusstseinsinhalt und kein Bewusst¬ 
seinsinhalt schwankt und verändert sich, wenn nicht körperliche 
Zustände, in unserem Fall die Spannungen der Muskeln, sich 
irgendwie verändern. Die Metaphysik muss es sich wieder 
einmal gefallen lassen, dass ein Besitzanspruch des tran- 
scendentalen Bewusstseins für ungültig erklärt wird und 
dem sensomotorischen Reflexapparat des Körpers übertragen 
wird.
        

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