Bauhaus-Universität Weimar

I 
Der Zeitsinn. 
i. 
Die Frage nach den Eigentümlichkeiten unserer norma¬ 
len Zeitauffassung ist durch die scheinbar so überraschenden 
Ergebnisse der neueren Untersuchungen in ein Stadium ge¬ 
treten, in welchem sie ein ungewöhnliches prinzipielles In¬ 
teresse beansprucht. Man war davon ausgegangen, die Ge¬ 
nauigkeit zu prüfen, mit der wir Zeitgrössen schätzen, ähn¬ 
lich, wie es Augenmassuntersuchungen bezüglich der Raum¬ 
grössen gethan. Man fand aber bald, dass nicht allein die 
Unterschiedsempfindlichkeit, die sich in den variablen Feh¬ 
lern der Schätzung aussprach, sondern dass daneben auch 
konstante Fehler der Ueberschätzung und Unterschätzung zu 
berücksichtigen sind, und schliesslich stellte sich heraus, dass 
diese Fehler bei wachsenden Grössen einem periodischen 
Wechsel unterliegen, der nur aus den rhythmischen Funk¬ 
tionen des Bewusstseins erklärbar scheint. Die Tragweite 
dieser Entdeckung und ihrer Deutung ist leicht zu über¬ 
sehen. Jeder Versuch, periodische Funktionen des Bewusst¬ 
seins zur Erklärung seelischer Erscheinungen herbeizuziehen, 
geht aus von der Trennung zwischen dem Bewusstsein und 
dem Bewusstseinsinhalt. Letzterer ist psychophysisch erklär¬ 
bar: jeder Veränderung des Bewusstseinsinhaltes geht eine 
Veränderung des physiologischen Substrates parallel, das 
Bewusstsein dagegen ist die physisch unbedingte Grundvor¬ 
aussetzung des Seins überhaupt. Jede Veränderung des Be¬ 
il ün st erb erg, Beiträge. IL 1
        

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