Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/93/
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Differenz der antagonistischen Muskeln auch eventuell gleich 
Null sein kann, wie beim Fixieren in primärer Blickstellung. 
Es wird dann also Ruhelage resultieren, aber während diese 
Ruhelage beim Unterbleiben jeder motorischen Innervation 
durch den geringsten Anstoss verlassen wird, wird sie, sobald 
die Antagonisten kräftig innerviert sind, aktiv festgehalten 
und gegen jeden Anstoss verteidigt, eine Wirkung, die offenbar 
nicht minder bedeutsam ist, als ein besonderer Bewegungseffekt. 
Erst aus dieser Betrachtung verstehen wir also einer¬ 
seits, dass bei unveränderter Bewegungsintention die In¬ 
nervationsempfindung sehr verschieden stark sein kann und 
andererseits, dass sogar sehr lebhafte Innervationsempfindungen 
durchaus nicht immer die Erinnerung vollzogener Bewegungen 
sind, insofern auch die Festhaltung der Ruhelage unter Aus¬ 
schluss -jeder Bewegung intensive Muskelspannung erheischt. 
Dieser Art nun sind jene Innervationsempfindungen, die wir 
in die Peripherie des Kopfes lokalisieren; die ihnen ursprüng¬ 
lich zu Grunde liegenden wirklichen Muskelspannungen be¬ 
wegen den Kopf nicht, sondern sie halten ihn fest, sie machen 
ihn widerstandsfähig gegen schwache Bewegungsreize. Dass 
eine solche Kontraktion reflektorisch ausgelöst wird, ist leicht 
verständlich aus der Zweckmässigkeit des ganzen Vorganges. 
Wir sahen ja, dass jeder Sinnesreiz reflektorisch bestimmte 
Bewegungen in der Muskulatur der Sinnesorgane hervorruft; 
alle diese Bewegungen können aber doch nur dann Wert haben, 
wenn der Kopf, der die Sinnesorgane trägt, selber fixiert ist, 
und die Festhaltung des Kopfes wird um so energischer sein 
müssen, je feiner die Einstellung des percipierenden Apparates ist. 
Es ist also nicht gesagt, dass wir den Kopf immer zum 
Reize hin bewegen müssen; wir müssen nur dem Kopfe jene 
Festigkeit geben, welche ihn in der Ruhelage und ebenso in 
jeder anderen Stellung befähigt, durch ablenkende schwache 
Reize nicht aus der eingenommenen Lage abgelenkt zu werden. 
Ein solcher Reflexbogen zwischen Sinnesapparaten 
und Kopfmuskulatur ist also ein eminent zweck-
        

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