Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/69/
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bedingungen jedes Glied einer snceedierenden Reihe einzeln 
aufgefasst wird, das frühere also nicht beim Auftreten des 
späteren reproduziert wird, mithin nicht mit ihm gleichzeitig 
ist, dass dann mittels der allen Gliedern gemeinsamen Neben¬ 
vorstellung wohl jede einzelne Vorstellung der ganzen Reihe 
reproduziert werden kann, die Reihenfolge derselben dann 
aber nicht eingehalten wird, alle Glieder vielmehr durch¬ 
einander geworfen werden, eines also nicht mehr direkt mit 
dem anderen verkettet ist. 
So erklärt es sich denn auch, dass, während eine 
eingeübte Reihenfolge von Bewegungen nicht rückwärts re¬ 
produziert werden kann, wir dagegen eine Reihe aufeinander¬ 
folgender Eindrücke, Wahrnehmungen, Vorstellungen be¬ 
kanntlich sehr leicht auch in umgekehrter Anordnung uns 
vergegenwärtigen. Bei den Bewegungen ist eben keine Gleich¬ 
zeitigkeit der Eindrücke vorhanden, sondern die Empfindung 
der ersten ausgeführten oder begonnenen Bewegung wirkt 
als centripetaler Reiz zur centrifugalen Auslösung der zweiten 
Bewegung, die Wahrnehmung der zweiten Bewegung löst die 
dritte aus, die Reihenfolge kann sich hier also nicht ver¬ 
ändern. Bei den Vorstellungsreihen wird dagegen beim zweiten 
Eindruck der erste reproduziert, in diesem Moment sind mithin 
beide ebenso im Bewusstsein zusammen, als entsprächen sie 
koexistenten Reizen, welche selbstverständlich der späteren 
Reproduktion keine feste Reihenfolge aufnötigen, so dass der 
Blick ebensogut vom zweiten zum ersten Reiz hinüberschweifen 
kann. Wenn Ausnahmen dem häufig zu widersprechen scheinen, 
so liegt es daran, dass sich so leicht der Eindruck mit einer 
Bewegungsinnervation, vor allem mit Bewegungsantrieben des 
Sprachapparates verbindet und wir bei späterer Reproduktion 
den Ablauf dieser Bewegungsreihe zur Grundlage unserer 
sinnlichen Vorstellungserneuerung benutzen, wobei wir dann 
allerdings wie bei jeder Bewegungsreihe unfähig sind, die 
Umkehrung vorzunehmen. Gerade solche Fälle, genau analy¬ 
siert, zeigen aber stets, wie wirklich blosse Vorstellung«-
        

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