Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/63/
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mehr hervor, ohne dass irgend eine ganz beseitigt wurde, 
vor allem die Anschauung, dass alle Associationen sich auf ein 
äusserliches Beziehungsschema zurückführen lassen, wechselte 
immer wieder mit der anderen Auffassung, dass die Asso¬ 
ciationen zum kleineren Teil äusserliche, zum grösseren Teil 
innerliche Beziehungen besässen. Wäre eine dieser beiden, 
sich scheinbar einander ausschliessenden Auffassungen allein 
berechtigt, so wäre es unwahrscheinlich, dass die irrtümliche 
Anschauung, nachdem sie durch die zutreffende ersetzt, doch 
immer wieder auftaucht; das von vornherein wahrscheinlichere 
wird vielmehr sein, dass die verschiedenen Auffassungen 
gleichermassen relativ berechtigt sind und ihre Abweichung 
bedingt ist durch die Verschiedenheit des Standpunktes. 
In der That lässt sich nicht verkennen, dass vornehmlich 
metaphysische Voraussetzungen, nicht weniger aber auch 
methodologische Erwägungen zu den verschiedensten Stand¬ 
punkten führten, von denen aus dasselbe Erfahrungsmaterial 
sich verschieden gruppiert zeigte. Uns kümmert hier wesent¬ 
lich nur der Gegensatz jener beiden Standpunkte, deren einer 
psychologisch, der andere psychophysisch genannt werden 
kann. Die psychologische Untersuchung strebt, da sie kein 
Interesse daran hat, über blosse Beschreibung hinauszugehen, 
diese Beschreibung so eingehend wie möglich zu gestalten; 
sie muss daher in möglichst scharf gesonderten Unterabtei¬ 
lungen die verschiedenen Associationen abgrenzen, ihre Unter¬ 
scheidungsmerkmale möglichst hervorheben und die 
gemeinsamen Eigenschaften zurücktreten lassen. Die 
psychophysische Untersuchung wird dagegen, überzeugt, dass 
jeder Anhalt fehlt, psychologische Einzelverhältnisse bestimmten 
physiologischen Verbindungen parallel zu setzen, ihr Augen¬ 
merk darauf richten, ob nicht gemeinsame Merkmale allge¬ 
meineren Charakters vorliegen, die sich eher dem psycho¬ 
physischen Verständnis anpassen; sie wird das Trennende 
zurücktreten lassen, das Einigende hervorheben. 
Vom ersten Standpunkt musste ein Unterschied besonders
        

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