Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/52/
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sender Kompliziertheit die Zeiten stetig wachsen; von 383 o, 
als es galt mit den fünf Fingern auf die fünf ersten Zahlen 
zu reagieren, bis zu 1122 o, als es galt, die fünf Reaktionen 
entsprechend den fünf Kategorien der Dichter, Musiker u. s. w. 
auszuführen. Bei diesen vollständigen Reaktionen war die 
Aufmerksamkeit dem Reiz zugewandt. Der Eindruck wurde 
ins Bewusstsein gehoben; sobald dieses fertig, entsann man 
sich der Aufgabe, zu beurteilen, in welche Kategorien der 
Name gehörte, und sobald auch dieses vollendet, schritt man 
zur Wahl der Gruppe, um sich schliesslich der verabredeten 
Fingerzuordnung zu entsinnen und dann den Finger zu heben. 
Kürzer konnte der Prozess nicht ablaufen, denn da nichts 
anderes vor dem Versuche vorbereitet ist, als dass die Auf¬ 
merksamkeit sich dem Reiz zuwendet, so muss alles übrige, 
eines nach dem anderen, nach erfolgtem Bewusstwerden des 
Reizes eintreten und da es eine Entscheidung gilt, so schreitet 
das Bewusstsein erst dann zu dem neuen Akt, wenn es sicher 
ist, dass der alte vollendet, richtiger, wenn in ihm auch noch 
das Urteil auftaucht, dass dieser Akt vollzogen und somit 
zu einem neuen geschritten werden darf. Kurz die Lenkung 
der Aufmerksamkeit auf den Reiz bedingt es, dass alle an 
den Reiz anknüpfenden Prozesse im Bewusstsein nacheinander 
ablaufen, meist noch unterbrochen durch die Reflexion, dass 
jetzt der eine Prozess fertig und Zeit sei, den neuen zu be¬ 
ginnen; mit der Zahl der Einzelprozesse muss unter dieser 
Bedingung also auch die Zeit wachsen, genau wie die Apper- 
ceptionstheorie es annimmt. 
Es ist dieses aber ein durchaus künstlicher Fall; indem 
wir unsere ganze Aufmerksamkeit dem Reiz zuwenden und 
sie von dem, was auf den Reiz in uns folgen soll, möglichst 
ablenken, zwingen wir uns allerdings, die Folgeerscheinungen 
des Eindrucks erst dann zu erwägen, wenn seine Wahrnehmung 
erfolgt ist oder wir dieses Erfolges uns besonders bewusst 
geworden sind und ebenso mit der Willenshandlung uns erst 
dann zu beschäftigen, wenn die Erwägung abgeschlossen oder
        

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