Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/47/
no 
im stände, die vorliegenden Zeitmessungsergebnisse 
zn erklären, ohne in Widerspruch mit ihren Grundvoraus¬ 
setzungen zu geraten? 
Die Frage von vornherein zu verneinen, noch ehe von 
jener Seite ein Versuch gemacht, würde voreilig erscheinen, 
wenn Wundt nicht auf Grund seiner Theorie im voraus 
wenigstens einen Teil der Experimente für unmöglich erklärt 
hätte, und zwar gilt das vornehmlich von den Versuchen der 
ersten Arbeit mit Dr. Thumb. So sagt Wundt ausdrücklich: 
„Die verkürzten Reaktionen werden möglicherweise zur Unter¬ 
suchung des Zeitverlaufes der physiologischen Hilfsvorgänge 
dienlich sein; der vollständige Reaktionsvorgang dagegen 
wird allein den Ausgangspunkt für die Untersuchung kom¬ 
plizierterer psychischer Akte bilden können“ x). Ich glaube 
nun darin nicht fehl zu gehen, dass die Unterscheidung, ob 
der zugerufene Name einer historischen Persönlichkeit, einem 
Dichter, einem Musiker, einem Naturforscher, einem Philo¬ 
sophen oder einem Staatsmann gehört, zumal wenn jedesmal 
neue Namen zugerufen werden, von Einübung also nicht die 
Rede sein kann, in der That einen „komplizierteren psychischen 
Akt“ darstellt, und dennoch zeigte es sich, dass wir zwischen 
vollständiger und verkürzter Reaktion nach Belieben wechseln 
konnten, die verkürzte Reaktion mithin ebenfalls den Aus¬ 
gangspunkt für die Untersuchung komplizierterer psychischer 
Akte zu bilden berechtigt ist. An anderer Stelle heisst es: 
„Ist die Reaktion muskulär, so erfolgt dieselbe automatisch 
im Moment des Eindruckes; in diesem Zustand ist es daher 
schlechterdings unmöglich, den Bewegungsimpuls so lange 
zurückzuhalten, bis der Unterscheidungsakt vollendet ist“ 2). 
Dass diese Zurückhaltung bis zu erfolgter Unterscheidung 
wirklich bei uns eintrat, ergibt sich ja als selbstverständlich 
aus dem richtigen Ergebnis der Finger wähl. Während natür- 
x) Wundt, Physiol. Psychol. Bd. II. 3 S. 269. 
2) A. a. O. S. 302.
        

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