Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/13/
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der Vorstellung zuwenden, dass der Zahl eins der Daumen 
entsprechen soll, ohne dass ich deshalb die Aufmerksamkeit 
auf die Bewegungsinnervation jenes Daumens richte. Nun 
ist es aber, wie sich jeder sofort leicht überzeugt, sehr wohl 
möglich, diese Vorstellung, dass ein bestimmter Finger einer 
bestimmten Zahl entsprechen soll, mit der Innervationsvorstel¬ 
lung fest zu verschmelzen, so dass man die Aufmerksamkeit 
beiden gemeinsam, wie einer Gesamtvorstellung, zuwenden 
kann; man hat das Gefühl, als innerviere man nicht Daumen 
oder Zeigefinger, sondern Finger eins, Finger zwei. 
In genau derselben Weise kann man mit jedem der fünf 
Finger auch jede andere Vorstellung fest verbinden, etwa, 
wie im nächsten Versuche, mit dem ersten Finger den Nomi¬ 
nativ, mit dem zweiten den Genetiv u. s. w. Diese Zu¬ 
ordnung -der vorher festgesetzten Begriffe ist somit, wenn der 
Versuch beginnt, schon fest eingeprägt und eingeübt; der zu 
untersuchende Wahlvorgang ist davon natürlich ganz unab¬ 
hängig. In allen folgenden Fällen besteht die Veränderung 
der Aufmerksamkeitsrichtung also nicht nur darin, dass sie 
einmal dem Reiz, das andere Mal der Bewegungsinnervation 
aller fünf Finger zugewandt ist, sondern im zweiten Fall ist 
sie stets derjenigen Gesamtvorstellung zugerichtet, 
die sich aus der Innervationsempfindung und den mit 
den einzelnen Fingern durch vorherige Festsetzung 
und Einübung verknüpften fünf Vorstellungen zu¬ 
sammensetzt. In der dargestellten Versuchsgruppe war 
diese Verbindung noch dadurch befestigt, dass über jeder 
Taste mit grossen gedruckten Ziffern die entsprechende Zahl 
angebracht war, der Gesichtseindruck sich also noch mit der 
Muskelempfindung verbinden konnte. 
Dass es sich bei den verkürzten Reaktionen dieser zweiten 
Versuchsgruppe wirklich um psychophysische Verkürzungen 
handelt, die durch die veränderte Richtung der Aufmerksam¬ 
keit bedingt sind, beweist der Umstand, dass die vollständigen 
Reaktionen keine einzige Fehlreaktion aufweisen, bei den
        

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