Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Willkürliche und unwillkürliche Vorstellungsverbindung
Person:
Münsterberg, Hugo
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/image/lit38787/125/
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das alles selbständig durcharbeiten, jede, bei nach¬ 
träglicher' Zerlegung uns logisch erscheinende Ver¬ 
bindung aus eigener Kraft produzieren und eine stets 
nach der anderen erledigen, so würde es Jahrzehnte zu 
dem gebrauchen, was unser Gehirn oft in einer Stunde leistet. 
Wer sich mit oberflächlichen Schlagworten begnügt, nennt 
derlei Materialismus. Wer tiefer geht, weiss, dass eine solche 
Spezialuntersuchung der Psychophysik mit der allgemeinen 
Weltanschauung nichts, absolut nichts zu schaffen hat und 
dass es vielleicht keine Weltanschauung gibt, die so unmög¬ 
lich ist und durch die nächstliegenden erkenntnistheoretischen 
Erwägungen so gründlich beseitigt wird als der Materialismus. 
Auf dem Boden idealistischer Philosophie kommt aber notwendig 
die physiologisch-psychologische Spezialuntersuchung zu der 
Frage, wie diejenigen psychischen Inhalte, welche auf ein 
hypothetisches Seelensubstrat bezogen werden, am zweck- 
mässigsten in Verbindung zu bringen sind mit denjenigen 
psychischen Erfahrungen, die aus psychologischen Gründen 
auf ein nur in den Lageverhältnissen veränderlich gedachtes 
hypothetisches Materiensubstrat bezogen werden müssen. Aus 
methodologischen Gründen ist nun widerspruchsloser mit den 
Erfahrungen diejenige Anschauung zu vereinigen, welche die 
ersteren abhängig denkt von den letzteren, die auf die Seele 
bezogenen abhängig von den auf die räumliche Substanz 
bezogenen psychischen Erscheinungen. Wer diese Lösung 
materialistisch nennt, hat allerdings recht, die oben ent¬ 
wickelten Anschauungen als materialistisch zu charakterisieren ; 
er muss aber, wenn sein Blick nicht durch metaphysische 
Dogmen getrübt ist, offen hinzufügen: die Psychophysik wird 
in diesem Sinne materialistisch sein, oder sie wird überhaupt. 
nicht sein.
        

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